Hallo ihr Lieben,

wir werden euch heute von dem Tabuthema schlechthin schreiben: DEPRESSIONEN!

Warum schreiben wir euch darüber und warum jetzt?

Dafür gibt es mehrere, viele Gründe. Zum einen ist dieser Blog für uns nicht nur eine Kreativecke, in der wir unseren Ideen freien Lauf lassen können, sondern ebenso eine Art Familientagebuch. Ein öffentliches Tagebuch, wenn man so will. Das Thema Depressionen, vor allem nach der Geburt eines Kindes, als Mutter ist eine Sache, die nicht weiterhin totgeschwiegen werden darf. Deshalb schreiben wir euch, auch weil wir mit diesem Blog, die Möglichkeit haben, darauf aufmerksam zu machen & ein wenig zur Aufklärung beitragen können. Und ein weiterer persönlicher Grund: Wir haben es selbst durchlebt.

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Sabrina:

Es ist ebenso komisch wie meiner Meinung nach auch besorgniserregend, dass ich ebenfalls über das Thema schwieriger Start beim Mamasein berichten kann. Ihr werdet vlt. denken, dass es einfach daran liegt, weil ich und Bianca uns so gut kennen und viel Kontakt haben – aber nein. Gerade während der Phase, in der ich etwas zu knabbern hatte, bestand der Kontakt zu Bianca nicht, allgemein war diese Zeit bei mir eher vom „Abschirmen“ gekennzeichnet. Das möchte ich euch sagen:

Wir sind ja alle sooooooooooo perfekt

Kennt ihr das auch? Das Streben nach dem Perfektsein? Man möchte vor anderen Menschen immer gut dastehen, glänzen, die absolut makellose Mutter demonstrieren, die stets die Lage im Griff hat und genau weiß was sie tut. Die Kinder wachsen natürlich wohl behütet auf und haben keinerlei Macken oder Defizite. Zusätzlich hält man sich natürlich an die Empfehlungen der Gesellschaft und verschlingt Familienratgeber oder Studien irgendwelcher Psychologen. Mütter, die da nicht mitziehen – die nicht ins Raster fallen, werden mit hochgezogener Augenbraue beäugt und belächelt. Ich weiß noch, wie ich früher große Töne spuckte: „Wenn ich mal Kinder habe, dann werde ich das bestimmt nicht wie Fräulein XYZ machen usw.“ Ich weiß auch noch, dass ich mir so vieles vorgenommen habe und alles besser machen wollte bei den eigenen Kindern. Natürlich zückte auch ich entsprechende Vorbereitung. Ich hörte mir unzählige Tipps an, durchsuchte das Internet nach Ratschlägen, verschlang Bücher – das alles, bis ich merkte, dass mein Kartenhaus zusammenfällt. Tja so war es dann letztendlich – Mein Sohn wurde geboren und die Realität schlug eiskalt zu:
Ich wollte so perfekt sein, dass ich mir an einem gewissem Punkt selbst im Wege stand und begriffen habe, dass ein Baby kein Roboter ist und es gibt auch keine Betriebsanleitung für Mütter und es ist einfach NICHTS planbar oder vorher absehbar in Sachen Mamasein.

Er war da, ich war Mama – ich hatte mir doch alles so schön geträumt und nun funktionierte einfach nichts – wo waren denn diese Muttergefühle? Wann bekommt man diese und wie bekomme ICH sie? In meinen Vorstellungen war doch alles anders – das Baby ist da und alles ist Friede, Freude, Eierkuchen – Ja ich gebe es zu: Auch mir fiel das Mamasein anfangs richtig schwer (Komisch oder? Ist das nur ein Zufall oder leiden wirklich erstaunlich mehr Frauen daran, als angenommen?). Natürlich weiß man aber sein inneres Ich gut zu vertuschen – bloß nicht auffallen und das schon gar nicht thematisieren, sonst reden die anderen noch schlecht oder man fällt negativ auf, vlt. zeigen sie ja sogar mit dem Finger auf mich oder man meint noch gar, dass ich nicht in der Lage bin ein Kind groß zuziehen. Die anderen Mamas scheinen ja auch alle perfekt zu sein und habe die Situation stets im Griff. So dachte ich zumindest lange Zeit.

mama sein3

Was macht man also? Man tut nach außen hin immer schön stark und total abgeklärt. Doch alleine merkt man plötzlich, dass gar nichts leicht von der Hand geht und sich schnell das Gefühl von Überforderung einstellt. So war es bei mir – der Kleine weinte und ich war sofort unsicher, ja ich war sogar mit dem Kleinen oft dermaßen überfordert, dass ich nur noch heulen konnte- dabei hatte ich ein so liebes Baby vor mir. Ich ging in mich und überlegte, doch fand ich keine Erklärung für mich und trottete weiter in der Situation – ich hatte nicht einmal Heultage im Krankenhaus – ganz im Gegenteil ich konnte es kaum abwarten wieder nach Hause zu gehen mit dem Kleinen. Tja und da war der Haken…ja, ich hatte keine Heultage aber einen echten Fehlstart, den ich aber lange nicht wahrhaben wollte, weil man doch von mir erwarten würde, dass ich eine Vorzeigemutter bin, wie jede andere auch. Aus heutiger Sicht muss ich mich oft belächeln und denke mir, wie dumm ich damals doch war. Ich habe viele kleine Fehler gemacht, die mein Kartenhaus zum Einstürzen brachten. Hätte ich einfach mal alles auf mich zukommen lassen und abgewartet, in die Situation hineingelebt und mich nicht verrückt gemacht, weil das Stillen nicht mehr recht klappte oder das Baby nicht satt wurde – ja, dann wäre es mir nicht so ergangen. Hätte ich einfach gleich mit meinem Mann oder jemand anderem offen darüber gesprochen, dann wäre es wahrscheinlich auch nicht so schlimm gewesen und man hätte sich Hilfe suchen können mit der „neuen Situation klar zu kommen“. Nein, im Gegenteil mümmelte ich mich innerlich ein und fühlte mich schlecht, überfordert und antriebslos. Ich beschäftige mich heute noch viel mit dieser Phase und rede oft mit Menschen darüber und zu meinem Erstauen musste ich feststellen, dass soooooooooo viele Mütter daran leiden / litten, doch keiner sagt es offen.

Baby Meilensteinkarten (3)

Läuft da nicht irgendetwas falsch?

Es gibt so viele Frischmamis, die sich überfordert fühlen, vlt. einfach nicht die nötige Bindung aufbringen können (das ist doch auch überhaupt nicht verwerflich, schließlich wird man nicht als Vollblutmama geboren) und trauen sich einfach nicht das anzusprechen, weil man Angst haben muss gesteinigt zu werden.

Du bist – was du isst und du bist das, was aus dir gemacht wird

Ich finde diese Entwicklung so furchtbar. Ich will nicht wissen, wie vielen Frauen es wie mir ging und wie viel Frauen es noch so gehen wird. Einfach weil dort ein „unnatürliches Mutterbild“ von der Gesellschaft geschaffen wurde – das ist meine Meinung. Wir bekommen täglich überall aus allen Kanälen erklärt, wie eine perfekte Mutter sein sollte. Auf uns strömen zig unterschiedliche Produkte ein und manchmal kann die Wahl und Entscheidung für einen Schnuller schon zur Zerreißprobe werden. Noch schlimmer ist das Internet und diverse Mütterplattformen. Da wird man angegiftet, weil man dem Kind eine Decke drüber legt, weil es ab und zu Schokolade essen darf, weil man mit 5 Monaten abgestillt hat, weil man den Schnuller zur Beruhigung gibt oder weil man die billige Säuglingsmilch der Teuren vorzieht. Mütter werden regelrecht fertig gemacht. Ich rede hier nicht von Sachen die auf der Hand liegen, sondern von wahren Ansichtssachen und Entscheidungen, die eigentlich im persönlichem Ermessen liegen sollten. Da wird propagiert, dass Kinder mit spätestens 2 Jahren trocken sein müssen. Da wird gelehrt, dass man sofort ein Baby abgöttisch lieben muss und ja keinen Pekip-, Krabbel-, Kanga- oder Sonstwaskurs auslassen darf. Nun kommen Neuzeitansichten dazu. Mütter, die ihr Kind nicht mit im Zimmer schlafen lassen sind Rabenmütter. Mütter, die ihr Kind mit einem Jahr ganztags in die Kita schaffen sind Versager und Mamas, die den Kinderwagen lieber nehmen als das Tragetuch schaden ihrem Kind. Sorry, wenn ich jetzt die Steilvorlage aufgreife, aber: Mütter die bei Kik einkaufen, haben natürlich auch kein Umweltbewusstsein und bringen Kinder in Bangladesh um. Genauso wie die Mütter, die eine PDA wählen – die sind ja gar keine richtigen Mütter, weil sie nicht stark waren.

traurige erdbeere karte

Ich habe eines dazu gelernt. Manchmal bewirken Worte, die man so daher schreibt in anderen Personen richtige Zweifel und vor allem sollte sich unsere werte Medienwelt mit ihren Berichten ala „So erziehen Sie Ihr Kind richtig“. „10 Dinge, die eine Mutter gemacht haben sollte“ usw. extremst zurückhalten. Es gibt Menschen, die nehmen sich so etwas an und setzen sich damit schon weit vor der Entbindung unter Druck – die Ausmaße sind oft gar nicht so abzuschätzen. Zudem wird ein dermaßen unnatürliches Bild einer Mama inzwischen vermittelt, dass man praktisch fast von selbst ins offene Messer rennt. Ich für meinen Teil weiß, dass ich mich nie wieder verrückt machen werde, weil ich in den Augen anderer Mütter einen „Fehler“ begehe (wie z.B. meinem Kind den TV vorenthalten) und genauso verzichte ich auf Schundratgeber. Ich bin zudem aus den Mamigruppen bei Facebook ausgetreten, weil es einfach nervt ständig die Superdupertipps von genauso normalen Müttern wie mir zu lesen, die sich aber als besonders toll profilieren müssen. Und wisst ihr was, mir geht es viel besser! Klar wird es auch in meinem Leben weiterhin Menschen und Situationen geben, die ich nicht mag oder die mich nicht mögen – sei es drum, aber ich habe inzwischen begriffen, dass in solch einem Fall Abstand und Ignoranz immer noch der bessere Weg sind als der böse Fingerzeig und ich habe noch eines gelernt: Man muss sich nicht dafür schämen, dass man nach der Geburt eben nicht gleich die Bilderbuchmutter ist – zumal es die sowieso nicht gibt. Man muss nur den Mut haben darüber zu sprechen und das will ich an dieser Stelle tun.

Nun bin ich mit dem zweiten Kind schwanger und wisst ihr was? Ich habe überhaupt keine Angst, dass ich erneut solche Zweifel aufkommen lasse oder mich verrückt mache wegen Nichtigkeiten. Ich habe die Portion Sicherheit, die ich mit meinem Sohn gewonnen und das Wissen sowie Erfahrungen, welche ich über die Zeit gesammelt habe. Die doofe Mama-Anfangsphase (wie ich sie so schön nenne) habe ich natürlich überstanden, bin mir aber sicher, dass ich vieles hätte vermeiden bzw. verkürzen können, wenn ich einfach mehr auf mein Gefühl gehört hätte und nicht in diesen doofen Perfektionismus ala „Ich muss die perfekte Mutter sein“ gefallen wäre. Zudem muss ich nach wie vor lernen, mir Dinge einfach nicht anzunehmen und muss mich immer wieder daran erinnern, dass es mir egal sein kann, was andere Menschen von mir oder über mich denken.

Die Muttergefühle kamen bei mir übrigens dann von ganz alleine – man kann das einfach nicht erzwingen und ich glaube, je mehr man es erzwingen möchte, desto länger dauert es. Ich bin so glücklich darüber, das Gefühl zu erfahren mit allen Auf- und Abs. Ich liebe mein Kind abgöttisch und doch hatte ich noch nie solch eine Angst um ein Menschen auf dieser Welt – aber auch die Angst gehört dazu.

Auch ich kann euch nur sagen: Redet, redet, redet und handelt. Geht damit offen um. Wenn ihr einen Blog habt, so klärt die Menschen darüber auf – keine Mutter muss sich dafür schämen nicht perfekt zu sein und leider wird hier viel zu wenig Aufklärungsarbeit betrieben. Ich kann mich gut erinnern, dass darüber in meinem Geburtsvorbereitungskurs kein Wort gefallen ist.

Ich bitte euch diesen ehrlichen Post neutral zu bewerten und lege Wert auf ein nettes Untereinander!
Nun bin ich auf Kommentare gespannt, falls da welche öffentlich kommen 😉

Liebe Grüße Sabrina

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P.S. Für alle Mamis, die sich informieren möchten, Anlaufstellen suchen oder sich anonym Hilfe zur Seite nehmen möchten, können wir diese Seite empfehlen: Schatten und Licht
Dort findet sich auch ein Fragebogen zum Selbsttest.