Wenn der private Blog gewerblich wird und was ist mit Impressum?

Liebe Blogger, liebe Leser,

heute möchten wir ein kritisches Thema anschneiden und dabei doch ganz sachlich bleiben. Wir möchten wach rütteln, den Finger erheben und einmal aufzeigen, was passieren kann, wenn man Sachverhalte mit einem Schulterzucken nimmt oder denkt „DAS brauch ich nicht!“.
Wem es vlt. aufgefallen ist: Wir haben ein Gewerbe angemeldet und nennen uns die „K&H Kreativ GbR“ und betreiben Mamahoch2 nicht aus lauter Jucks und Geigel, sondern gewerblich als GbR mit Steuernummer, Gewinnermittlung und vor allem auch Steuerzahlung.
Viele werden jetzt denken: „Werden die jetzt kostenpflichtig oder warum machen die das?“ An dieser Stelle könnt ihr beruhigt sein, wir bleiben so kostenfrei wie immer – der Grund ist ein wesentlich wichtigerer Aspekt und sollte nun vor allem die Blogger unter euch interessieren.
Die Familien- und Kreativblogs schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Schaut man sich die Blogs einmal genau an, fällt oft eines auf: KEIN Impressum. Weder auf der Facebookseite, noch auf dem Blog selbst. Viele Blogger schreien jetzt auf: „Aber ich bin doch ein Privatblog“ und genau darauf wollen wir an dieser Stelle einmal eingehen.

Zunächst: Ist (m)ein Blog privat oder gewerblich?

Eines vorab – wir erzählen hier nichts frei Erfundenes (das wird ja gerne unterstellt).Wer es nicht glaubt, bemüht einfach einmal Google z. B. hier oder auch hier und hier! Zusätzlich können wir uns auf die Aussagen unserer Steuerberaterin stützen und auch auf die Kenntnisse aus unserer Ausbildung.
Um die Frage zu klären, ob der Blog als gewerblich einzustufen ist, gilt folgender Sachverhalt:
Besteht eine Gewinnerzielungsabsicht?
Was bedeutet das nun wieder? Das heißt schlicht und weg, ob man sich mit dem Betreiben der Internetseite „bereichern“ möchte, natürlich nicht geistig, sondern vielmehr finanziell.
Es handelt sich um ein Gewerbe, wenn ihr:
Geld für Produkttests, Beiträge, Fotos, Banner, Vorstellungen oder oder oder bekommt (also alles, was im Zusammenhang mit eurer Seite steht)
– Werbedienste nutzt, wie Google Adsense, Amazon Partnernet oder andere Werbedienste oder Affliateformate
– Aufwandsentschädigungen erhaltet für Reisen, Kleidung oder oder oder, was im Zusammenhang mit dem Blog steht.
– die Absicht habt damit Geld zu verdienen (auch in naher Zukunft) – das stellt automatisch die Gewinnerzielungsabsicht dar.
 
Wie ihr seht, finden sich oben schon einige Blogger wieder, die in die gewerbliche Einstufung fallen damit täglich ein großes Risiko eingehen – weiter unten dazu mehr.
 

Wenn ich aber keine Einnahmen erziele?

Diese Aussage hören wir auch zuuuuu oft. „Na, aber ich hab doch keinen Gewinn, das ist maximal kostendeckend“. Ja, bei uns war das auch lange Zeit so, aber das Finanzamt interessiert sowas nicht, egal ob Verlust, Gewinn, Kostendeckung. Es zählt allein die Tatsache der Gewinnerzielungsabsicht. Sobald du Werbung einbindest, willst du Geld verdienen. Sobald du Geld für Beiträge annimmst, willst du Geld verdienen. Sobald du Geld für irgendwas erhälst, was im Zusammenhang mit deinem Blog steht, willst du Geld verdienen – zackkkk hat es wieder ein paar vermeintlich private Blogs erwischt.
Foto Steuerbescheid

Produkttests sind KEINE Grauzone

Auch hier sieht man hin und wieder Blogs, die mehrfach Produkttests durchführen und die Sachen dann behalten. Wir reden nicht von all den Bloggern, die die Sachen dann zurückschicken müssen. Oft kommt dort die Aussage „Na, ich habe doch aber kein Geld angenommen – mir wurde das geschenkt.“. Gehen wir mal den Rechtsweg: Ihr bekommt für eine Leistung eine Gegenleistung. Zu Deutsch: Ihr bekommt ein Produkt geschenkt und müsst dafür einen Beitrag erstellen, Fotos posten oder oder oder. Nur, weil hier kein Geld fließt, ist es das für das Finanzamt nicht automatisch etwas Anders. Für die Produkte dieser Art, ist steuerrechtlich gesehen der Geldwert anzunehmen, den man dafür aufgewendet „hätte“. Eine Ausnahme stellt es dar, wenn dies einmalig passiert. Werden aber regelmäßig Sachen getestet und behalten, habt ihr damit einen Gewinn erzeugt = Gewinnerzielungsabsicht. 

Man kann das drehen wie man möchte: Nehmt ihr Geschenke an und beruht darauf, dass es Geschenke oder „Spenden“ sind, so seid ihr trotzdem per Gesetz dazu verpflichtet dies in der Steuererklärung geltend zu machen (Schenkungssteuer). Dies wirkt sich wiederum auf eure Steuererstattung / Steuernachzahlung aus. Anders sieht es aus, wenn keine Gegenleistung erfolgt.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass man mit einem Blog dieser Art fast immer mit einem Fuß im Gewerbe steht – es sei denn man verzichtet auf jeglichen Zugewinn.

Das vergessene Impressum

Nun kommen wir zum nächsten Knackpunkt. Viele „private“ Blogger haben kein Impressum. Laut Gesetz ist dies gestattet, wenn der Blog wirklich ausschließlich privat betrieben wird. Das Gesetz ist hier aber so scharf formuliert, dass bei Einbindung eines einzigen Werbebanners, Durchführung eines Gewinnspiels oder eines Produkttests oder der Teilnahme an einem Affliate Programm das Impressum Pflicht wird. Wenn man Dinge verkauft, liegt es auf der Hand – Impressum muss dann sein. Grauzone ist hingegen, nach wie vor bei redaktionellen Beiträgen. Wir raten daher allen Blogs, die nicht nur ausschließlich über ihr Privatleben berichten (also nur IHR eigenes Leben und keinen Zusammenhang zu weltoffenen Themen herstellen) ein Impressum einzufügen und unbedingt auch bei Facebook. Wir haben lange Zeit auf die Telefonnummer verzichtet, aber auch wegen unvollständiger Impressen rollen große Abmahnwellen. Wer genau wissen will, was alles rein muss und sich weitergehend informieren möchte – klickt z. B. mal hier.

Worst Case – Was kann mir passieren, wenn ich mich nicht daran halte?

Eigentlich ist diese Frage selbsterklärend. Wenn ihr kein Gewerbe anmeldet, obwohl laut Feststellung des Finanzamtes eines besteht, könnte euch einige Tatsachen anghängt werden – im schlimmsten Fall wird es zu einer Prüfung kommen. Man wird dann nachversteuern und euch darum bitten, das Gewerbe anzumelden. Nachweisen lässt sich der Tatbestand, ob ein Gewerbe besteht meist ganz leicht anhand eurer Texte und evtl. Produkttests. In Sachen Impressum gibt es leider Anwälte, die sich nur darauf spezialisiert haben, Seiten ausfindig zu machen, die fehlerhaft sind oder kein Impressum aufweisen. Sie verdienen ihr Geld damit euch abzukassieren und Unwissenheit schützt bekanntlich vor Strafe nicht.

Abschließend:

Wir möchten hier niemanden anprangern, oder mit den Finger auf euch zeigen. Vielmehr möchten wir euch aufklären und etwas wachrütteln. Wir selbst standen auch vor der Entscheidung und letztendlich schläft man einfach ruhiger, wenn der rechtliche Rahmen stimmt und man mit dem Gewerbe offiziell Einnahmen erzielen darf und eben auch Produkte annehmen kann. Ob euer Blog privat oder gewerblich ist, könnt in erster Linie nur ihr selbst entscheiden und in zweiter Linie Fachkundige (Finanzamt und Co.). Ihr solltet aber immer im Hinterkopf haben, dass ein Hinweis reichen könnte, damit Ämter hellhörig werden und einmal genauer hinschauen. Stellt euch vor, eine Firma fragt an und ihr stimmt zu Geld anzunehmen. Diese gehen davon aus, dass ihr gewerblich gemeldet seid oder und erwarten Rechnungstellung. So schnell kann euer Fall beim Finanzamt auf dem Tisch landen, denn Rechnung ohne Gewerbe stellen ist sehr kritisch (Es ist möglich, aber nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen und nicht mehrfach. Zudem muss eine Rechnung immer geltend gemacht werden in der Steuererklärung!!) Und wie man so schön sagt: Vorsicht ist besser als Nachsicht, denn diesen Ärger kann man sich leicht vom Halse schaffen.

Edit: Natürlich ist nicht immer eine Gewerbeanmeldung notwendig, manchmal reicht auch das Auflisten in der Steuererklärung am Jahresende. Pflicht ist jedoch mind. eines der beiden Alternativen. Damit ihr auf Nummer sicher geht, meldet euch beim Finanzamt. Es ist übrigens auch möglich das Gewerbe (bei uns 3 Monate) nachträglich anzumelden.

Viele Grüße
– Dieser Beitrag spiegelt unsere eigene Meinung, Denkweise und unsere Erfahrungen wieder. Er wurde eigens von uns recherchiert und ersetzt in keinem Fall eine Rechtsberatung. Im Falle des Falles kann sich auf diesen Beitrag nicht berufen werden.
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ommetar 0.000000e+0

  1. Tina 7. Januar 2019 at 7:57

    Hallo,
    vielen Dank für den Beitrag. Jetzt bin ich schon etwas schlauer.

    Muss ich als Einzelunternehmer mit geringfügigen Einnahmen dann nur die selbständige Tätigkeit in der ESt-Erklärung angeben oder muss ich auch eine GewSt-Erklärung abgeben?

    Viele Grüße
    Tina

    antworten
    1. Sabrina 7. Januar 2019 at 9:03

      Ich würde auf jeden Fall im Finanzamt nachhaken, denke aber, dass jegliche Einkünfte (gewerblicher Art) zu einer Gewerbeanmeldung führen sollten.

  2. Steven 4. Oktober 2018 at 23:16

    Hey super Artikel ?

    Als was melde ich das Gewerbe denn an?
    GbR sind ja mindestens 2 Gesellschafter.
    Wenn ich alleine bin muss ich es als Einzelhandelskaufmann anmelden? ?

    Liebe Grüße

    antworten
    1. Sabrina 5. Oktober 2018 at 10:25

      dann bist du Einzelunternehmer und machst zb Affilatemarketing und Onlinedienstleistungen…

    2. Steven 5. Oktober 2018 at 10:26

      Vielen lieben Dank für deine schnelle Antwort und deine Arbeit am Artikel ?

  3. Strasser 16. Januar 2018 at 10:49

    Hi,

    viele Dank für den ausführlichen Artikel. Ich lese immer öfter in Artikeln die sich rund um die Gewerbeanmeldung drehen, dass alleine in der Einblendung von Werbung eine Gewinnerzielungsabsicht besteht.

    Ich frage mich nur immer wieder ob das wirklich so einfach ist? Eine Gewinnerzielungsabsicht ist laut Definition die Absicht einen Überschuss zu erwirtschaften. Man stolpert dann auch ganz schnell über Begriffe wie Liebhaberei und Hobby.

    Umgekehrt kann man auch häufig lesen, dass Leuten Aufgrund fehlender Gewinnerzielungsabsicht das Gewerbe entzogen wird. (Über Jahre hinweg kein Gewinn erwirtschaftet)

    Wenn ich also vorher weiß, das mein Hobby kein Gewinn erzielen wird und soll, wieso muss ich dann ein Gewerbe anmelden?

    Viele Grüße
    Strasser

    antworten
    1. Sabrina 16. Januar 2018 at 11:08

      Hallo, die Antwort ist ganz einfach: Du legst nicht selbst fest, ob es Liebhaberei ist, sondern das Finanzamt.

  4. Mira Mondstein 22. Juli 2014 at 12:29

    Hallo Ihr Lieben,
    VIELEN, VIELEN Dank für diesen wirklich bereichernden Beitrag!!!
    Ich bin soooo oft in Diskussionen gewickelt, warum ich denn so doof sei, meine Adresse im Impressum anzugeben, ein Postfach würde ja auch reichen etc. pp. (…)
    Nein, ein Postfach gilt nicht! Und alle, die kein Impressum haben, und auch nur einen Produkttest einbinden, sind hochgradig Abmahnungsgefährdet.
    Danke, Euer Beitrag hat im Übrigen mir selber auch weitergeholfen (es war der letzte Schubser um ein Gewerbe anzumelden…).
    Liebe Grüßii
    Mira 🙂

    antworten
  5. eenzschartsch 5. Juni 2014 at 22:59

    Schöner Beitrag, danke dir dafür. Ich bin ja im steuerberatenden Bereich tätig und hab sowohl die von euch geschilderten Fälle gehabt, aber auch den umgekehrten Fall. Oft hat das Finanzamt nach 5 Jahren Verlusten einfach aus dem vermeintlichen Gewerbe eine Liebhaberei gemacht. Ich denke, hier bedarf es wirklich immer einer Einzelfallprüfung und keiner muss jetzt panisch werden. Aber eines ist sicher, es gibt in Deutschland keine Freigrenze für Einnahmen (das denken tatsächlich viele, getreu dem Motto „die paar Euro“). Jeder verdiente Euro ist in einer Form zu versteuern, sei es über Pauschsteuer oder eben über den persönlichen Steuersatz und es ist nicht fair allen Steuerzahlern gegenüber, wenn einige im Grunde ein Gewerbe betreiben und es dann als Privat tarnen.

    LG Katrin

    antworten
  6. FräuleinAn 5. Juni 2014 at 21:53

    Das ist ein toller Post von euch.
    Ich habe auch nur einen privaten Blog, naja was heißt Privat, wenn er im Internet ist, habe auch ein Impressum, obwohl ich nicht verkaufe.
    Habe das Thema schon des öfteren auf Facebook verfolgt und mir anschließend gesagt, dass ich mir lieber ein Impressum „zulege“.
    Also vielen Dank für euren Post.
    Liebe Grüße, Andrea

    antworten
  7. Sanni 5. Juni 2014 at 19:23

    Hallo ihr 2!

    Großes Lob für diesen Post – vielleicht rüttelt das manche wach. Ich hab mich kundig gemacht und alles abgeklärt…sicher ist sicher! Danke für die Aufklärung!

    LG Sanni

    antworten
  8. Themama 5. Juni 2014 at 17:53

    Danke für den Beitrag. Da muss ich doch echt auch mal schauen, wie die Rechtslage in der Schweiz aussieht. Aber da ich auch Werbebanner, Produkttests usw. habe, werde ich mich mal informieren.
    LG Themama

    antworten
  9. Oma macht das schon 5. Juni 2014 at 16:58

    Vielen Dank für den Post, ich hab einen privaten Blog und meine Tochter, die sich recht gut auskennt,
    hat mir in verschiedenen Berichten gezeigt, dass jeder ein Impressum haben sollte/müsste.
    Deshalb habe ich auch eins dazugeschrieben, vorsicht ist immer der bessere Weg,
    ich hab auch schon einige Blogs gesehen, die eindeutig Gewinne erzielen
    und lediglich eine Email Adresse angegeben haben, das darf aus rein rechtlichen Gründen garnicht sein.
    Aber das Risiko ist jedem selbst überlassen.
    Mein Opa sagte schon früher: wer nicht hören will, muß fühlen.
    Ich finde eure Entscheidung gut und wünsche euch viel Erfolg.
    Liebe Grüße
    Nähoma

    antworten
  10. Lepidoptera 5. Juni 2014 at 15:43

    Danke für die Aufklärung! Mein Blog ist zwar tatsächlich nur privat, aber ich habe mich schon manchmal gefragt ob ich ohne Impressum was falsch mache. Falls sich meine Absichten mal ändern, weiß ich ja jetzt Bescheid.
    Liebe Grüße

    antworten

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