„Mama, wir müssen noch Belohnungspunkte aufkleben“ – Vom Belohnungssystem(en) und dessen Anwendung

Ich muss zugeben, dass ich weder vermutet hätte, dass solch Interesse an unserem Belohnungssystem für die Kids besteht, noch hätte ich vor einiger Zeit überhaupt vermutet, dass es funktioniert. Zugegeben war ich lange Zeit auch nicht begeistert von der Idee mein Kind für bestimmte Tätigkeiten zu belohnen – ich fand das genauso abwegig, als würde ich mein Kind für bestimmte Tätigkeiten bestrafen.

Auch heute ist unsere Belohnungstafel nach wie vor ein „Versuch“, der zu meinem Erstaunen jedoch recht gut klappt.

Zurück zum Anfang

Auf das Arbeiten mit Belohnungen sind wir ursprünglich gekommen, weil es abends oft Theater beim Zähneputzen gab. Damals hat alles mit einem einfachen bunten Blatt angefangen. Bei jedem Mal erfolgreichen Zähneputzen ohne Genörgel gab es einen von Mamas Aufklebern, der dann auf das Blatt gesetzt werden durfte. An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass es Sticker ganz günstig im Thomas Phillips gibt, ich weiß aber nicht, ob dieser Sonderposten-Laden deutschlandweit vertreten ist.

Belohnungssystem Anwendung Tipps

Auf jeden Fall führten wir diese Art von Belohnung behutsam ein und erklärten unserem Großen (damals war er glaube ich 2,5 Jahre), dass er jedes Mal einen Sticker aufkleben darf, wenn das Zähneputzen reibungslos klappt. Ich war selbst erstaunt, welche Animation ein paar Sticker auslösen können und schon bald wurde das Zähneputzen zur Selbstverständlichkeit. Das Stickerkleben hatte irgendwann ausgedient – ja auch das ist der Haken an Belohnungssystemen: Es wird früher oder später einfach langweilig.

Zum 3. Geburtstag bekam unser Lausbengel  zufällig von Franzi eine Belohnungstafel im Feuerwehrmannlook geschenkt – an dieser Stelle nochmal ein großes DANKE!

Gleich vorab, die Tafel könnt ihr über Amazon hier *klick* kaufen – es gibt auch noch andere Designs, wie ich gesehen habe (z. B. Pferde).

Das (oder vielmehr unser) Prinzip der Belohnungstafel

Die Tafel kann ich insofern loben, das da wirklich mit Köpfchen gemacht und gedacht wurde. Es gibt rechts eine Spalte, ganz links eine Spalte und in der Mitte einen Wochenplan. Zusätzlich sind Chips enthalten, die als Belohnungspunkt dienen, Chips, die „Besonderheiten“ für die Kinder darstellen; Chips, die Aufgaben darstellen und Blankochips, die man selbst beschreiben kann.

Wir haben also Folgendes gemacht: Zunächst wurden die Aufgaben von den Besonderheiten getrennt und die Belohnungspunkte auf einen anderen Haufen gelegt. Nun haben wir es P. erklärt: Am Tag legen wir wert auf 5 Sachen (so viel Posten sind möglich) und je erfüllter Sache bekommt er einen Chip, den er abends aufkleben darf.

Hier möchte ich aber gleich erwähnen: Jedes Kind ist anders und jede Erziehung ist anders.
Wichtig ist uns, dass wir 1. keine Sachen belohnen, die unser Großer so mit Links macht und für ihn als selbstverständlich gelten, aber auch keine zu hohen Erwartungen stellen – also es muss schon umsetzbar sein.

Bei uns gibts also derzeit 5 feste Punkte, die belohnt werden:
– waschen
– zähne putzen
– anziehen (die 3 obigen Punkte beziehen sich nicht darauf, dass er sich wäscht (ist ja klar, dass er das machen muss, sondern vielmehr, dass es ohne Trotzanfall passiert)
– mit uns gemeinsam ordentlich essen (ordentlich im Sinne von, dass er am Tisch sitzt und mit uns gmeinsam eine Mahlzeit einnimmt, da er dazu neigt nichts zu essen und 5 min später über Hunger klagt)
– Bett gehen (hier bekommt er den Extrapunkt, wenn er es akzeptiert, dass wir ihn nicht stundelang in den Schlaf begleiten – siehe dazu mein gestriger Beitrag)

Belohnungssystem Anwendung Tipps1

 

Belohnungstafel selbst machen

Eine kleine Zwischenbemerkung habe ich oder vielmehr eine Idee – es müssen nicht einmal die gekauften Tafeln sein. Diese Systeme lassen sich super selbst basteln, wenn man einfach die ungefähre Form derer im Internet übernimmt und statt den Punkten Stickern verwendet. Die Aufgaben kann man dann entweder als Bilder ausdrucken (einfach passenden Begriff als Bild googlen) oder eben als Wort schreiben – für die Größeren.

Tipp, wenn ihr mit Belohnung arbeitet

Wir haben gemerkt, dass man auf jeden Fall gemeinsam mit dem Knd besprechen sollte, was gewünscht wird, warum und wofür eine Belohnung erfolgt.

Die Wunscherfüllung – also wenn die Belohnungspunkte gesammelt worden, sollte vom Kind ausgehen. Das Maß legen natürlich die Eltern fest. Bei uns sind es Dinge, die für andere Familien vielleicht gar nicht im Verhältnis stehen, doch unser Sohn hat sich das eine Mal gewünscht, dass er 1 h Feuerwehrmann Sam schauen durfte (wir als Eltern fanden das eigentlich viel zu lange 😀 ) und beim nächsten Mal wollte er das Playmobil Krankenhaus (natürlich gebraucht, weil neu wäre etwas zu teuer gewesen). Es motiviert natürlich ungemein, wenn Kinder auf irgendetwas hinarbeiten, dass sie sich selbst wünschen und ausgesucht haben.

Für nicht eingehaltene „Anforderungen“ wird bei uns nicht gestraft. Wenn er also von den fünf Aufgaben eine nicht erfüllt oder mehrere außer Acht lässt, gibt es nicht Ärger oder die Retourkutsche indem wir Punkte wieder wegnehmen. Es soll ja eine Belohnungstafel bleiben und keine Bestrafungstafel werden.

Abends vorm Zubettgehen reflektieren wir den Tag – Unser kleiner Großer erzählt uns dann wofür er sich (seiner Meinung nach) einen Punkt nehmen darf und wir teilen entweder seine Meinung oder „stupsen ihn mit der Nase“ darauf, warum wir anderer Meinung sind. – ist m. E. nach ultra-wichtig.

und noch ein Tipp: Man kann natürlich verschiedene Ansätze bringen, wann die Belohnung fürs Punktesammeln erfolgt. Wir sammeln zb die Tafel voll und lassen die Tage dabei außer Acht. Es sollte aber immer realistisch und mittelfristig umsetzbar sein – ich denke, dass ein Kind schnell die Lust verliert, wenn es über 5 Monate Punkte sammeln soll oder Eltern kuriose Zahlen vorgeben, wie z.B. sammel 100 Punkte.

Das war es eigentlich im Großen und Ganzen: Der Rest ergibt sich sicher aus den Fragen heraus, die ihr habt.

Zu guter Letzt: Ich denke, dass es bei Kindern unter 2 Jahren keinen Sinn macht solch ein System einzuführen und vor dem 3. Geburtstag waren die Sticker einfach die bessere Lösung, da solch eine Tafel schon recht komplex gemacht ist – kommt natürlich immer auf die Eltern und deren Vorgaben bzw. Vorstellungen an!

Viele Grüße

Werbung

ommetar 0.000000e+0

  1. Susann 7. Mai 2015 at 10:55

    Ich habe Zwillinge, die 2,5 Jahre alt sind. Vor kurzem habe ich aus der Kita gehört, dass sich meine Kinder selbst die Straßenschuhe anziehen. Bei mir nehmen sie die Schuhe noch nicht mal in die Hand!!! Auch von anderen Eltern, die Kinder haben, die jünger sind, habe ich gehört, dass sie sich schon alleine (teilweise evtl. mit Hilfe) anziehen. Meine lassen sich früh beim Anziehen gnadenlos von mir bedienen. 🙁 Also theoretisch können sie sich alleine anziehen, sehen es bei mir aber nicht als notwendig, weil ich das lange für sie gemacht habe.

    Hmm.. wie nun ausbrechen aus diesem „Ritual“? Ich habe meinen Kindern dann die Sachen gegeben und gesagt, du kannst das, also zieh dich jetzt bitte an! Das führte sofort zum Frust und zum Weinen. Also will ich es jetzt auch mit dem Belohnungssystem versuchen. Vielen Dank für die Tipps. Ich hoffe, dass es bei meinen auch auf so viel Begeisterung stößt. 🙂

    antworten
  2. Sandra von CölnerLiebe 17. Juli 2014 at 22:29

    Was für eine schöne Idee! Jetzt weiß ich, womit ich die (*räusper* letztes Jahr geschenkt bekommene) Aufkleber-Selbermach-Maschine einweihe! Cool! Danke!
    Lieben Gruß, Sandra

    antworten
  3. Anonymous 17. Juli 2014 at 20:23

    Wer es noch einfacher mag: Stempel in einem kleinen Heft „sammeln“ funktioniert auch super! Bei uns gab es das in einem kleinen Heft, allerdings für’s mutig sein, sich selber etwas mehr zuzutrauen. Wofür es speziell die Stempel gibt / gab wurde über die Zeit modifiziert, weil riesige Herausforderungen mit der Zeit ganz einfach wurden.
    Bei uns gab / gibt es für allerdings nie etwas Materielles als Belohnung. Die Stempel durfte unser großer gegen zusätzliche Zeit mit uns eintauschen (länger lesen, Spieleabend oder auch mal einen besonderen Ausflug).

    antworten
  4. freiflug 17. Juli 2014 at 19:08

    Wir haben auch vor kurzem mit einer (selbstgebastelten) Belohnungstafel angefangen.
    Auch bei uns sind Anziehen und Zähneputzen Bestandteil der Liste, denn wie bei euch gab es jeden Morgen und Abend Terror. Jetzt funktioniert das problemlos. Da muss er nicht mal mehr dran erinnert werden. Auch Tisch decken/abräumen, Zimmer aufräumen, seine Mäuse füttern und saubermachen stehen mit auf der Liste. Klar sind das Sachen, die selbstverständlich laufen sollten, aber ich finde es nicht verkehrt die Kids auf diesem Weg dort hinzuführen. Es ist ja auch nich Ziel sie ewig dafür zu belohnen, die „Aufgaben“ werden ja auch nach und nach angepasst…. Also kurz: Belohnungstafel find ich klasse! 🙂

    antworten
  5. Melanie May 17. Juli 2014 at 18:59

    Ich finde die Idee toll. Wir haben aktuell so eine Belohnungstafel für unseren jetztz 4jährigen, wenn es drum geht, auf Toilette zu gehen. Denn er hat tagsüber keine Lust, vergist es oft… und ich bin auch begeistert, wie das mit den Stickern funktioniert. Er ist richtig motiviert, auf toilette zu gehen. Wir haben aber noch nicht einmal ausgemacht, dass er ne Belohnung bekommt, wenn das Blatt voll ist, oder so. Schon alleine die Erwartung, dass er wieder nen Sticker kleben darf, motiviert ihn, selbstständig auf Toilette zu gehen.
    Bin aber gerade am Überlegen, auch für andere Sachen so eine Belohnungstafel einzuführen, da habe ich mich über deinen ausführlichen Post heute sehr gefreut und werd mir diese TAfel gleich mal genauer angucken!
    Vielen Dank und lieber Gruß
    Melli

    antworten
  6. Anonymous 17. Juli 2014 at 15:04

    Anziehen, Zähne putzen, ordentlich Essen und Waschen sollten ja wohl Selbstverständlichkeiten sein oder? Ich würde dann eher das Aufräumen oder so etwas belohnen das dies Selbstverständlich wird……

    antworten
    1. Brina H. 17. Juli 2014 at 15:31

      wie gesagt: jedes Kind ist anders und natürlich gehören solche Dinge zu den Selbstverständlichkeiten für uns Erwachsene, aber im Kopf eines 3 Jährigen ist Zähneputzen eben gerade doof und nervig. Aufräumen klappt hingegen sehr gut, wobei es völlig überzogen (verschied. Studien belegen es, dass die Kinder nicht mal in der Lage dazu sind) ist von einem 3 Jährigen zu erwarten, dass er das Zimmer alleine aufräumt – wie ich so schön sage: Das können die Eltern wohl am besten entscheiden und wenn es bei uns ohne Trotzanfall klappt sich die Zähne zu putzen gibts den Punkt und zwar verdient.

    2. Anonymous 29. Juli 2014 at 23:34

      Naja ich denke da hat wohl jeder andere Ansichten! Bei mir werden halt eher nur Sachen belohnt die nicht zum alltäglichen Tagesablauf gehören, so wie es auch in meiner Kindheit war! Also brav beim Zahnarzt oder mutig sein beim Arzt beim einkaufen nicht genervt etc….. aber darüber kann man endlos diskutieren

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.