Dass man mit dem Bloggen Geld verdienen kann, ist längst kein Geheimnis mehr. Dass man mitunter, wenn man gut ist, sogar davon leben kann, schockiert auch niemanden mehr. Schräg wird es für uns erst dann, wenn sich andere Blogger dazu entschließen ihr Blogbusiness gezielt auf Kooperationen und  „Einnahmenerzielung durch Werbung“ auszurichten.

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Bloggen – ein Beruf, aber nicht um jeden Preis.

Wer einmal gemerkt hat, dass Firmen bereit sind für Beiträge Geld zu zahlen, kommt schnell in die Versuchung darauf ein 2. Standbein aufzubauen. Auch wir haben uns damals bewusst für die Einbindung von Werbung entschieden, jedoch dagegen unsere Anstellung hinzuschmeißen und auf volles Risiko unsere Arbeit daran auszumachen, wie viele Werbebeiträge wir monatlich schalten könnten. Die Werbeeinnahmen sollten keine primäre Rolle zugeteilt bekommen. Warum uns das so wichtig war, möchten wir heute gerne schildern und anderen Bloggern, die vielleicht gerade Überlegungen in diese Richtung tätigen ein wenig die Augen öffnen.

Man könnte es als eine Art Spiel mit dem Feuer betrachten, das aus unserer Sicht einige Blogger bereits verloren haben oder gerade dabei sind es zu verlieren. Angefangen haben sie als bekannte Vorreiter deutscher Familienblogs, als Youtubestars oder als Facebooker, die Massen bewegten. Heute sehen wir nur noch eines dort: Werbung – täglich, in fast jeden Beitrag und oft nicht ganz so deutlich gekennzeichnet, wie es der Fairness halber sein sollte.

Der Kreis schließt sich bei uns in der Logik: Natürlich müssen sie Werbung schalten, denn schließlich ist der Blog oder ihr Kanal ihr Unternehmen, ihre Firma und damit ihr Anteil zum Familienunterhalt beizutragen. Eine andere Möglichkeit außer über Werbung Geld zu generieren gibt es nicht, weil sie einfach nicht bedacht wurde – aus welchen Gründen auch immer. Mehr Geld ist natürlich immer gut und davon kann man nicht zu viel haben. Doch, was dabei oft vergessen wird: Man steht jedem Tag in dem Risiko auf, dass Morgen schon alles vorbei sein könnte. Zudem bleibt der ungute Geschmack seine Leser mit Werbung derartig zuzubombadieren, dass sie reiß aus nehmen könnten, man als Werbemaschine dargestellt wird oder als nun langweiliger Blogger, der alle Facetten verloren hat. Verzweifelte, schnell getippte, nichtssagende Beiträge oder Videos ohne Inhalt machten die Sache auch nicht besser. Vielmehr wirkten sie, wie ein Versuch „neuen Wind“ in die Sache zu bringen.

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Zu viel Werbung, verdirbt den eigentlichen Grundgedanken des Bloggens

In den letzten Tagen kochten die Gemüter merklich hoch, es wurde sich online angegangen, beschimpft, Blogger wurden von Lesern kritisiert und darauf folgten Rechtfertigungen oder doch der letzte Versuch die Sache noch zum Kippen zu bringen? Teilweise mischten sich sogar Ehepartner ein und nahmen Stellung. Wir beobachteten diesen Schlag-Abtausch vom Rand aus und wussten nicht so recht, was wir darüber denken sollten: Leider wird vergessen, dass das einzige Gut nicht das Geld ist, dass man mit einem blöden Werbebeitrag verdient, sondern das Gut die Leser sind, die treu folgen, sich für das Leben interessieren und somit auch zum Erfolg eines Blogs nachhaltig beitragen und nun in die Flucht geschlagen werden. Schreien diese Leser nicht vereinzelt – sondern geballt auf, dann sollte man überlegen, ob sich tatsächlich etwas verändert hat, man sich vielleicht gerade verbiegt und womöglich den ursprünglichen Pfad zu sehr verlassen hat.

Zu viel Werbung bringt zwar Geld, aber verdirbt den eigentlichen Grundgedanken des Bloggens: Beiträge, die interessieren, Mehrwert bieten, bewegen und Leute animieren weiter der eigenen Seite zu folgen, sind das wahre Einkommen eines Blogs und damit die Basis des gesamten Business.

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Um den angefangenen Teufelskreis von oben weiterzuspinnen: Das Blogbusiness einzig auf Kooperationen und Werbebeiträge auszulegen, kann nicht nur schief laufen – es wird zwangsweise schief laufen. Die Leser interessieren sich nicht, wie viel im Monat für Servermiete bezahlt werden muss, es interessiert sie auch nicht, dass man mit dem Blog xy Euro erwirtschaften muss, um Leben zu können und genauso egal ist es auch, ob man einen Steuerberater bezahlen muss. Wir fragen beim wöchentlichen Einkauf die Kassiererin ja auch nicht, wie viel Benzin sie bis zur Arbeit verbraucht und ob die Versicherung etwas kostet. Natürlich wäre ein Interesse dahingehend schön, aber so sind wir Menschen nun mal nicht. Wie bei allem kommt es auf die Dosierung an und es tut nicht weh bei einem Werbebeitrag nein zu sagen und dafür seinen Lesern eine tolle neue Anleitung, einen wertvollen Tipp oder eine schöne Geschichte zu liefern. Die Leser danken es indem sie den Blog treu bleiben.

Vermutlich stört es die meisten Leser auch überhaupt nicht, dass Werbung betrieben wird. Hier kommt es einfach auf das Maß und den Umfang an. Wenn ein augenscheinlich gesponsertes Produkt als „selbst gekauft“ vermittelt wird – nun aber am selben Tag bei 8 anderen Seiten zum Vorschein kommt, hinterlässt das beim Leser einen bitteren Beigeschmack. Mitunter fühlt man sich sogar als etwas dümmlich hingestellt.

P.S. Natürlich sind wir dafür, dass man sich für das Bloggen bezahlen lässt, sofern Firmen die Beiträge „kaufen“. Dieser Beitrag dreht sich rein darum, wenn man vom Familien-, oder DIY-Blogger zum Werbetexter wird und das gilt es zu verhindern, um die schöne Sache „Bloggen“ lange aufrecht zu erhalten. Dafür nehmen wir auch gerne  in Kauf das Glas nur halb voll zu haben..

 

Sabrina & Bianca

 

 

 

Werbung

ommetar 0.000000e+0

  1. Sabine 10. Mai 2016 at 14:37

    Ich finde es gut das Ihr auch über den Hintergrund des Bloggens berichtet, ich finde das sehr interessant.
    Ich würde auch gerne einen Blog erstellen, bin aber noch sehr unerfahren was das angeht.
    brauche ich ein Logo oder Nicht, wie soll die Seite überhaupt aussehen und gibt es vielleicht nicht schon zu viele Blogs?
    Alles fragen die mir durch den Kopf gehen.

    Aber ihr macht das echt super

    antworten
  2. Mema 13. November 2015 at 10:23

    Witzig, dass Ihr ausgerechnet hier zu diesem Beitrag ein Foodfoto zeigt, dass ich erst gestern bei Instagram bei einer Bloggerin gefunden habe, wo mir genau dieses Thema sauer aufstößt. Ich mag ihren Blog, aber als sie vor einigen Tagen sogar angekündigt hat mehr Werbung zu machen als Produkttester dachte ich „Nein Mädel, mach dir doch jetzt nicht alles kaputt „. Ich mag es nicht mit Werbung zugeballert zu werden, das erlebe ich auch so täglich, ob im Radio, im Fernsehen oder Plakaten. In unseren Briefkasten darf zwar keine Werbung, aber wenn ich irgendwann online mal was bestellt habe, wird Werbung eben direkt an mich als Empfänger geschickt. Ein Übermaß an Werbung nervt einfach nur. Man hat das Gefühl alles dreht sich nur noch um Konsum.

    antworten
  3. Karla 12. November 2015 at 23:39

    Schade, dass ihr wegen dem Artikel so angegangen werdet und interessant wer sich sofort angegriffen fühlt.
    Nun seid ihr die Nestbeschmutzer… aber ein wenig Revolution hat ja noch nie geschadet 😉
    In diesem Sinne weiter so. Daumen hoch

    antworten
    1. Sabrina 13. November 2015 at 10:55

      Hallo Karla, wir können damit leben Nestbeschmutzer zu sein. Viele der Schimpfer und „Hater“ haben den Beitrag nicht ansatzweise verstanden. Es geht wie so oft um das Maß der Dinge. Wir sind uns aber ziemlich sicher, dass sich die Gemüter schnell wieder beruhigen werden und haben uns auch bewusst für diesen Denkanstoß entschieden. Auch, wenn wir nun wahrscheinlich uns bei jedem Werbebeitrag ein Backpfeife einfangen werden von anderen Bloggern – aber wie gesagt. Der Kern des Textes dreht sich ja um das Maß der Werbung und ob man sich dabei nicht selbst etwas „verliert“.

  4. Astrid 12. November 2015 at 22:28

    Hallo Sabrina!

    Ich finde es interessant, das mal von einem Blogger zu lesen. Und es gibt wirklich viele Blogs, die reine Testblogs sind – schrecklich. Ich verstehe nicht, wie man sowas lesen kann. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die damit Geld verdienen. Eher Produkte bekommen. Aber gut, es schadet ja niemandem.

    Bei anderen Blogs habe ich beobachtet, wie plötzlich von einen auf den anderen Tag alles anders wurde, so als hätten sie ein Gespräch mit einem Insider gehabt und daraufhin nur noch Geld verdienen wollen.

    Aber die allermeisten Blogs machen angenehme Werbung, wie ich finde. Inspirierend, nicht zu viel und meistens gekennzeichnet – ein sehr wichtiger Punkt. Wenn es gekennzeichnet ist, ist alles in Ordnung – verarscht kommt man sich erst vor, wenn Schleichwerbung betrieben wird. Und eben das „selbstgekaufte Produkt“ auch 10 andere Blogger gleichzeitig gekauft haben.

    Zum Schreien der Leser: Ich denke, es sind viel viel weniger Leser, die die Hasskommentare unterstützen, als man denkt. Die negativen Stimmen sind immer lauter als die positiven. Und es wird mehr darauf eingegangen. Also bläht sich alles auf und wirkt größer, als es ist. So meine Theorie. Ich finde eh, wenn man etwas nicht lesen möchte, dann lässt man es einfach sein. Zu stänkern hat andere Gründe bei den Personen selbst.

    Den Vergleich mit der Kassiererin finde ich nicht so gut. Jeder weiß, wie viel ein normal arbeitender Mensch ausgeben muss. Der eine ein wenig mehr, der andere weniger. Aber alle haben ähnliche Kosten zu tragen. Was ich nicht wusste bis vor ein paar Stunden: Eine Homepage kostet wohl wirklich mehr Geld, als man denkt. Ich kannte die Angebote aus dem Fernsehen von 1+1 und co. und bin davon ausgegangen, dass die reine Homepage nur ein paar Euros kostet. Dass das aber anscheinend viel höher sein kann, habe ich heute erst erfahren. Ich denke, aufklärung zu solchen Themen macht für die Blogger schon Sinn, einfach um das Verständniss und die Akzeptanz zu erhöhen.

    Oh, viel mehr geschrieben als ich wollte. Aber ist auch interessant.

    Ich hoffe, dass ihr weiterhin so einen schönen Werbung- und interessante-Inhalte-Mix habt. 🙂

    Liebe Grüße, Astrid

    antworten
    1. Sabrina 13. November 2015 at 10:57

      Hallo Astrid, es kommt auf den Rahmen an, wie man es aufzieht. Ich sehe aber nicht selten Beiträge, dass man ja mehrere Hunderte Euro Serverkosten im Monat hat. Wir haben täglich eine Frequentierung von über 49.000 Nutzern und sind auf keinen Fall weit über 200 €. Was ich damit sagen will, man sollte sich auch bewusst sein, dass der große Teil eines Blogs an „Bewirtungskosten“ bereits mit einem Werbebeitrag abgegolten ist. Wer zudem Plattformen wie Blogger nutzt hat Kosten die deutlich darunter liegen, da es dort keine „Servermiete und co.“ gibt.

  5. Sandra Wiedemann 12. November 2015 at 18:36

    Hallo Sabrina und Bianca,

    mir gefällt Euer Artikel sehr gut! Ich denke die meisten Schwierigkeiten haben Blogger die Anfangs nur persönlich ausgerichtet sind.
    Ich habe meine Kleine Familienwelt von Anfang an mehr als Magazin aufgebaut. Wahrscheinlich tut man sich da einfach leichter. Trotzdem habe auch ich zu diesem brisanten Thema einen Artikel geschrieben:

    http://www.kleine-familienwelt.de/ist-das-eigentlich-werbung-auf-deinem-blog/

    Liebe Grüße
    Sandra

    antworten
  6. Tamina 12. November 2015 at 16:32

    ich stimme dem teilweise auch zu. natürlich muss man kooperationen eingehen, um geld zu verdienen, wenn man das beruflich machen möchte. Man sollte aber immer schauen, dass der kunde oder das produkt passen und, ob man einen interessanten post damit machen kann. wenn nicht, dann einfach ablehnen. das ist wie bei anderen online-magazinen oder fernsehen auch. kein leser darf erwarten, dass tausende arbeitsstunden investiert werden ohne einen penny dafür zu sehen. ich erwarte ja auch nicht, dass ich täglich kostenlos ins kino gehen darf. aber der inhalt darf darunter, wie du schon sagst, nicht darunter leiden. wenn man seine leser (und damit das wichtigste) behalten möchte, muss man natürlich auch interessanten und unterhaltsamen kontent bieten. ich denke, mit der erfahrung werden wir noch alle schlauer und wissen, wie wir eine gute balance finden. ansonsten ist vollzeit bloggen genauso riskant wie alle anderen freiberuflichen jobs oder die selbstständigkeit 🙂 natürlich gibt es da ein risiko, aber manchmal muss man eben risiken eingehen

    antworten
    1. Sabrina 12. November 2015 at 16:43

      Huhu Tamina, ja das sind meine Worte – es sollte zum Blog passen und nicht den Anschein erwecken, dass es irgendwie auf die nächst fällige Mietzahlung zuging. Es erwartet auch keiner, dass man gar nicht wirbt, wir selbst machen es ja auch, aber dennoch bin ich in einem Punkt anderer Meinung: Eine Selbständigkeit nur darauf auslegen, dass man über Werbebeiträge Geld verdient finde ich etwas risikobehafteter als bspw. ein Arzt zu sein oder ein Richter. Wesentlich besser finde ich da Blogs, die mehrere Wege eingehen, um sich ihren Lebensstandard zu verdienen, sei es eigene Bücher oder ein eigener Shop oder Vorträge oder oder – es gibt ja ziemlich viele Möglichkeiten.

  7. Farina 12. November 2015 at 14:44

    Ich finde es gut, wenn das Thema öffentlich diskutiert und somit ein Bewusstsein geschaffen wird. So bekommen auch nicht-Blogger/Youtuber/… einen Einblick, wie solche Kooperationen zu stande kommen und können sich in etwa ein Bild machen. Ganz schrecklich finde ich jedoch, wie manche Leser/Zuschauer vergessen, dass auch nur ein Mensch hinter dem Blog/Kanal steht, der womöglich aus seiner Perspektive gar nicht gemerkt hat, dass es „zu viel“ Werbung in der letzten Zeit war. Der Umgangston in den Kommentaren lässt da wirklich manchmal zu wünschen übrig, denn sowas kann man auch vernünftig und konstruktiv sagen, ohne jemanden gleich persönlich und in seinen Kompetenzen anzugreifen. Diese Entwicklung finde ich wirklich schade.
    Umso wichtiger, dass ihr das Thema auch ansprecht, danke dafür 🙂
    LG Farina

    antworten
    1. Sabrina 12. November 2015 at 15:18

      Hallo Farina, in der Tat wird da sehr hart in den letzten Tagen vorgegangen, aber vielleicht ist es auch ein wenig die Enttäuschung. Ich kann die Leser zum Teil schon verstehen, wenn man sich plötzlich nicht mehr wie ein Leser vorkommt, sondern wie ein potenzieller Käufer. Allerdings – und da gebe ich dir Recht, sollte man da ordentlich und sachlich seinen Standpunkt festmachen oder eben einfach den „gefällt mir nicht mehr“ Button wählen und fertig.

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