Wieder dürfen wir euch gemeinsam mit unserer Leserinnen Sarah von deren Geburt berichten. Heute erzählt sie euch von beiden Entbindungen. Ihr solltet euch etwas mehr Zeit und Ruhe zum Lesen ihrer bewegten Geschichte nehmen, an der am Ende doch noch alles gut wird.

 

Im April kam meine zweite Tochter zur Welt. Und ich habe zwei Geburten erlebt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ein geplanter Kaiserschnitt und eine normale Geburt mit Einleitung. Beide Geburten brachten ein Wunder mit sich und dennoch war keine wie die andere. Und bei unserer zweiten Tochter durfte ich dann auch erleben, dass eine Geburt so viel mehr ist, als nur sein Baby auf die Welt zu bringen.

Geburtsberichte_leser berichten von ihren Erfahrungen

Meine erste Geburt zerstörte so ziemlich alles, was ich mir gewünscht und vorgenommen hatte.

Meine erste Tochter war eine geplante Kaiserschnittgeburt wegen Beckenendlage. Nachdem alle Versuche, meine Tochter ab der 34. Woche noch zu drehen (Moxen, indische Brücke, äußere Wendung) gescheitert sind, wurde in der 37. Woche ein Termin für den Kaiserschnitt festgelegt. Obwohl wir eine Klinik in der Nähe hatten, die auf Steißlagengeburten spezialisiert ist, konnte ich mich nicht für ein spontane Geburt entscheiden. Ich dachte viel darüber nach. Die Voraussetzungen waren nicht zu 100 % gegeben (großer Kopf und Popo im Becken), jedoch zog ich die Möglichkeit einer Steißlagengeburt letztendlich nicht in Erwägung. Immer, wenn ich an die Geburt dachte, bildete sich in meinem Kopf die Horrorvorstellung, dass mein Kind mit dem Kopf stecken bleibt und erstickt. In meinen Augen war mit diesen Gedanken eine spontane Entbindung sowieso nicht möglich, denn wenn der Körper sich sperrt kann eine Geburt gar nicht erst voran gehen, so meine Meinung.

schwanger
Als ich meiner Hebamme mitteilte, dass ich mich für den Kaiserschnitt entschieden habe, redete sie auf mich ein, mir das zu überlegen. Eine Steißlagengeburt könne so gut funktionieren und wenn Kaiserschnitt, solle ich doch warten, bis die Wehen einsetzen, um es dem Kind einfacher zu machen. All das waren für mich keine Optionen und ganz ehrlich? Es fehlte letztendlich seitens der Ärzte und auch seitens der Hebamme die richtige Aufklärung. Als ich ging waren die letzten Worte meiner Hebamme zu mir „Du weiß aber schon, dass Kaiserschnittkinder nicht selbstständig anfangen zu atmen?“ Mein Mann und ich waren geschockt über solch eine Aussage- wobei wir ja wussten, dass das nicht stimmt- und gingen wortlos. Meine Hebamme sah ich ab da nicht mehr, nur noch ihre Vertretungen.

Am 12.06.2014 hatte ich um 7 Uhr morgens meinen Termin für den Kaiserschnitt. Ab 9 Uhr abends durfte ich nichts mehr essen und vor Aufregung konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen. Pünktlich um kurz vor 7 standen wir im Kreissaal, wurden knapp begrüßt, in ein Zimmer gebracht und dort wurde erst einmal CTG geschrieben. Mein Mann war bei mir und kurz darauf kamen auch meine Mama und mein Stiefpapa, die ich bis zur Geburt und auch danach gerne bei mir haben wollte.

Und dann begann das warten…Aufgrund von 8 Notfallkaiserschnitten an diesem Tag (wie ich später erfuhr tatsächlich alles Jungs, meine Maus war das einzige Mädchen :D) wurde mein Kaiserschnitt immer und immer wieder verschoben. Ich durfte nicht Trinken und Essen, bekam nur eine Infusion mit Kochsalzlösung. Geschlagene 9 Stunden später, nachdem uns schon der Kreissaalkoller gepackt hatte und wir eigentlich nur noch am durchdrehen waren (ich war eigentlich nur noch am Ende meiner Kräfte…) ging alles plötzlich ganz schnell.

Der Kaiserschnitt

Die Hebamme kam mit dem Arzt und sie brachten mich Richtung OP-Saal. Die Ärzte und Assistenten waren sehr lieb zu mir, die Anästhesistin sehr einfühlsam. Es wurde geredet, gespaßt, gelacht und ich kam mir überhaupt nicht vor wie bei einer Operation. Das erste Mal an diesem Tag fühlte ich mich gut aufgehoben und gut behandelt. Ich durfte eine tolle Geburt erleben…denn im Gegensatz zu vielen regulären Kaiserschnitten wurde ich nicht komplett aufgeschnitten. Es wurde ein Schnitt gesetzt, der Rest wurde gerissen (hört sich schlimm an, ist aber für die Wundheilung wesentlich zuträglicher) und durch Druck auf den Bauch wurde der Kaiserschnitt möglichst einer normalen Geburt nachempfunden. Und obwohl meine Tochter durch einen Schnitt in meinem Bauch auf die Welt kam fühlte es sich das erste Mal, seit ich mich für einen Kaiserschnitt entschieden hatte, richtig an.

Dann der erste Schrei um 16.51 Uhr (und damit der Beweis, das meine Hebamme unrecht hatte). Meine Tochter wurde mir kurz gezeigt und anschließend mitgenommen zum Untersuchen, Wiegen und Messen. Stolze 3860 g verteilt auf 53 cm. Anschließend durfte ich meine Tochter richtig begrüßen, während die Ärzte mich zunähten. Der Anblick dieses kleinen Wunders trieb mir die Tränen in die Augen. Anschließend wurde sie mitgenommen…

Babyfüße (2)

 

und ab da begann der Horror…

Wie mein Mann mir später erzählte, war unsere Tochter mit der Hebamme plötzlich verschwunden. Er sollte sie begleiten zum Baden, wurde angewiesen, die OP-Kleidung auszuziehen, und bis er fertig war, war sie weg. Er suchte überall, doch weder im OP noch im Kreissaal fand er sie. Bis die Hebamme schließlich zu ihm kam und ihm das fertig gewaschene Kind in den Arm drückte (hätte ich das gleich gewusst, hätte ich den Kreissaal ordentlich aufgemischt…). Nun gut, endlich durften Papa, Oma, Opa, die große Halbschwester und auch die Tante das Mäuschen begrüßen, bis ich fertig war und endlich mein Kind auf die Brust nehmen und anlegen konnte…das Anlegen funktionierte leider so gar nicht und auf Nachfragen wurde mir nur gesagt, dass das schon klappen wird.

Eine Stunde später wurde ich auf Station gebracht. Dort verabschiedeten sich Papa und Schwester von uns. Eine Schwester kam noch kurz zu mir, brachte mir ein paar Informationszettel und einen Becher mit den Worten „Gleich kommt jemand, der ihnen alles zeigt!“. Sie ging und ab diesem Zeitpunkt war ich alleine. Die ganze Nacht. Ich spürte kaum meine Beine wieder als ich mich, das Babybett im Schlepptau, zur Toilette schleppte. Wieder zurück in meinem Bett begann die schlimmste Nacht meines Lebens. Meine Tochter hatte (wie ich leider erst später erfuhr) ein Kaiserschnitttrauma. Sie brüllte…und brüllte…und brüllte. Ich versuchte sie anzulegen, was nicht funktionierte. Sie schrie die Brust an, saugte nicht richtig. Ich stand auf und lief im Zimmer herum. Im OP-Hemd und Krankenhaus-Netzunterhose. Mit frischer OP-Wunde. Mit schreiendem Kind. Mehrmals rief ich die Nachtschwester, doch sie meinte nur, dass das schon wird…um 2 Uhr morgens bat ich sie, mir das Kind zumindest abzunehmen, dass ich kurz auf Toilette kann. Ich hatte kaum 2 Minuten Zeit, die Schwester wartete  vor der Tür und kaum war ich aus dem Bad draußen drückte sie mir das noch immer schreiende Kind in den Arm und verschwand. Eine halbe Stunde später, weitere Male im Zimmer auf und ab gehen schaffte ich es endlich, meine Tochter zu beruhigen…bald schlief sie und ich legte sie in ihr Bettchen wo sie friedlich weiter schlief. Meine Hand auf ihrem Bauch wollte ich mich gerade hinlegen als die Tür aufging. Es war 3 Uhr morgens. Die Schwester kam herein, entzog mir das Bettchen und sagte nur knapp, sie würde das Kind jetzt baden. Und ich hatte nicht einmal die Kraft zu widersprechen. Ich hörte nur die kleine Maus aufschluchzen als es in den hellen Flur ging. Da begann ich zu weinen. Ich konnte nicht mehr. Ich war zu diesem Zeitpunkt fast 24 Stunden durchgehend wach. Hatte noch länger nichts außer einer Scheibe Brot gegessen und ein Glas Wasser getrunken. Ich atmete tief durch und nutzte die Chance um wenigstens einmal kurz in Ruhe auf Toilette zu gehen. Gerade als die Tür geschlossen hatte hörte ich, wie meine Tochter zurück in das Zimmer geschoben wurde. Brüllend. Und wie die Schwester direkt wieder verschwand und das schreiende Kind alleine lies. Ich beeilte mich und ging zu ihr, nahm sie in den Arm. Und begann wieder zu weinen. Und ich weinte und konnte nicht mehr aufhören. Es begann wieder. Das Auf- und Abgehen im Zimmer. Und in diesem Augenblick hatte ich nur noch einen Gedanken, als ich mein schreiendes Kind betrachtete: Bitte, nehmt es, bringt es weg, ich will es nie wieder sehen!
Ich erschrak selbst über diesen Gedanken so sehr, dass ich meine Tochter fest an mich drückte und mich entschuldigte. Und sie weiter trug.
5 Uhr morgens. Das Mäuschen war wieder eingeschlafen. Diesmal legte ich sie nicht ins Bett, ich wollte nicht dass sie wieder jemand mitnahm. Ich legte mir das erschöpfte Würmchen auf die Brust, kuschelte uns beide in die Decke ein und schlief nun selbst erschöpft ein ohne meine Tochter auch nur eine Sekunde loszulassen.

Baby Hände

 

Bis um 7 Uhr hatten wir Zeit, uns zu erholen. Da wurde bereits wieder Frühstück gebracht (zumindest bekam meine Bettnachbarin welches), das Zimmer gewischt, die Visite abgehalten. Die Ärztin merkte mir wohl an, das es mir nicht gut ging. Ich hatte jedoch weder die Kraft noch die Lust mich zu äußern. Als es wieder ruhig wurde betrachtete ich das erste Mal seit der Geburt meine schlafende Tochter.
10 Uhr. Und ich schaffte es noch immer nicht, die Maus anzulegen. Frühstück hatte ich ebenfalls keines bekommen. Ich traute mich kaum, die Schwester zu rufen. Schließlich drückte ich den Knopf und wartete. Es kam eine andere Schwester als Nachts (natürlich, Schichtwechsel war ja in der Früh gewesen). Und ich war unendlich erleichtert, als sie sich tatsächlich Zeit nahm, freundlich mit mir sprach. Mir wurde wohl vergessen mitzuteilen, dass es ein Frühstücksbuffet gab. Und zum Stillen würde sie später die Stillberaterin schicken. Noch immer im OP-Hemd (zumindest bekam ich gütiger weise ein zweites, damit niemand meine halb nackige Rückseite anschauen musste…) brachte sie mich zum Buffet. Unter Schmerzen folgte ich ihr mit dem Babybettchen. Ich bediente mich am reichhaltigen Buffet, irrte eine Weile durch die Gänge bis ich mein Zimmer wieder fand und setzte mich erschöpft auf mein Bett. Der Hunger war mir eigentlich vergangen, aber meiner Tochter zuliebe (immerhin brauchte ich für das Stillen ausreichend Nährstoffe) aß ich dennoch ein wenig. Als die Schwester das nächste Mal kam fragte sie mich, ob ich eigentlich Schmerztabletten bekommen hatte. Mein Blick sprach wohl Bände. Stillen und Tabletten? Niemand hatte mir gesagt, dass ich etwas nehmen durfte, obwohl ich stillte. Sie brachte mir gleich eine Tablette und eine halbe Stunde später spürte ich, wie endlich die Schmerzen ein wenig nachließen. Als mein Mann mit meiner Schwiegermama und meiner Stieftochter kam war ich unendlich glücklich. Ich konnte unter die Dusche, mich anziehen…und fühlte mich gleich wie neu geboren. Ich vergaß die Strapazen der Nacht und genoss die Zeit mit meiner Familie.

Bis am Mittag die Stillberaterin kam.

Ich schilderte ihr unser Problem. Zu beginn noch war sie sehr freundlich. Sie bat mich, mich obenrum auszuziehen und auch das Baby nackig zu machen. Hautkontakt wäre wichtig. Ich versuchte also die Maus anzulegen…natürlich klappte es wieder nicht. Meine Tochter schrie und wenn ich sie einmal an der Brust hatte ließ sie sofort wieder los. Die Stillberaterin schickte schließlich meinen Mann, meine Stieftochter und meine Schwiegermutter (die ich eigentlich bei mir haben wollte, aber ich wurde nicht gefragt…) aus dem Zimmer. Ich begann wieder zu weinen und die Stillberaterin verlor offensichtlich schnell die Geduld…sie packte mein Tochter am Kopf und drückte sie gewaltsam an meine Brust. Da war es für mich vorbei…ich schmiss die Stillberaterin aus dem Zimmer, packte meine Brüste ein und tröstete und kuschelte mein vollkommen aufgelöstes Baby. Mein Familie kam zurück und kümmerten sich liebevoll um uns…aber ich wusste: Ich kann nicht mehr! Ich will einfach nur noch nach Hause!
Die folgende Nacht lief kaum besser als die erste. Doch diesmal machte ich sie mit dem Gedanken mit: Morgen gehen wir heim! Als am nächsten Morgen die Schwester ins Zimmer kam fragte ich sie, wann die Visite ist bzw. der Arzt kommt (es war glücklicherweise wieder die nette Schwester vom vorigen Morgen). Sie wusste es nicht sicher

…dennoch begann ich einfach zu packen. Um neun kam die Ärztin und bevor sie überhaupt zu Wort kommen konnte sagte ich ihr, dass ich nach Hause gehe. Sie war zunächst erstaunt, doch nach einer kurzen Untersuchung stimmte sie zu, dass ich mich auf meine Verantwortung selbst entlassen durfte. Das Baby müsse jedoch bleiben…warum? Wegen der U2! Doch in weiser Voraussicht hatte mein Mann am Vortag bereits unseren Kinderarzt angerufen, welcher sich sofort bereit erklärt hatte, zur U2 zu uns nach Hause zu kommen. So nahm ich der Ärztin schnell den Wind aus den Segeln und bekam nur eine Stunde später meine Entlassungspapiere. Ich informierte meinen Mann, der gerade beim Frühstück saß, und er machte sich sofort auf den Weg. Um 13 Uhr, nur 44 Stunden nach dem Kaiserschnitt, durften wir endlich nach Hause!

 

Ein erneuter Rückschlag

Als ich im April 2016 erfuhr, dass ich wieder schwanger bin, war ich unendlich glücklich. Wir hatten uns ein zweites Kind gewünscht und hatten einen Abstand von etwa 2 ½ bis 3 Jahren geplant. Der errechnete Geburtstermin: 28.12.2016. Erste Reaktion meines Mannes: Das Baby kommt bestimmt an meinem Geburtstag, am 31.12.2016. Wir informierten sofort unsere Familie, unsere Freunde und ich meinen Arbeitgeber, da ich, sobald die Schwangerschaft besteht, nicht mehr arbeiten durfte. In den folgenden Tagen musste ich zum Frauenarzt und zum Amtsarzt. Feststellung der Schwangerschaft, Bestimmung der Immunität, ein kurzes Psychologisches Gutachten der Amtsärztin. Zwei Wochen später der Bescheid: bis zur 21. Schwangerschaftswoche darf ich aufgrund fehlenden Rötelschutzes nicht arbeiten. Also genoss ich die Zeit mit meiner Großen und meinem Mann zu Hause. Am 16.05.2016 verlor ich mein Baby…

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Muss ich wieder einen Kaiserschnitt über mich ergehen lassen?

Wir beschlossen, aufgrund unseres Anstehenden großen Umzuges (600 km vom Süden Deutschlands in den Norden) erst einmal nicht Schwanger zu werden. Anfang Juli jedoch hielt ich wieder einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Die Freude war getrübt. Und meine Angst riesig. Ich traute mich nicht, mich über die Schwangerschaft zu freuen. Wir weihten nur unsere Eltern ein. Keine Euphorie, nur die Angst: Bleibt das Baby? Im August der große Umzug. Ich fühlte mich schrecklich…müde und erschöpft, Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen. Dennoch bewältigten wir dank lieber Freunde und der Familie den Umzug und kamen endlich in unserer Heimat im Herzen an. Und wir waren froh…Die ersten drei Monate vergingen wie im Fluge, bald wurde die Schwangerschaft zur Nebensache denn noch immer wollte ich mich nicht freuen. Um nicht enttäuscht zu werden. Bis ich den ersten Tritt fühlen konnte…da überkam mich ein Hochgefühl und ich war unendlich glücklich. Trotz aller Beschwerden (Schilddrüsenunterfunktion, Symphysenlockerung, Toxoplasmoseinfektion, zu wenig Fruchtwasser sowie früh verkalkte Plazenta…) genoss ich die Schwangerschaft. Mein Bauch wuchs (und auch der Rest von mir, denn wieder einmal konnte ich kaum etwas gegen den Heißhunger tun :D) und eine weitere Sorge: Muss ich wieder einen Kaiserschnitt über mich ergehen lassen? Wie oft hört man: Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt…Die Freude war groß als unser Baby sich in der 30. Woche bereits drehte und mit dem Kopf ins Becken senkte „Die sitzt bombenfest!“ war nur der Kommentar meines Arztes. Also zumindest würde es nicht an der Lage des Kindes liegen. Was aber war mit der Kaiserschnittnarbe?
In der 32. Woche erfuhren wir endlich, nachdem sich unser Baby immer versteckt hatte: Wir bekommen noch ein Mädchen! Bis dahin hatten wir neutral eingekauft und neutrale Kleidung genäht. Jetzt fing ich an zu tüddeln 😀

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Die Zeit verging, es gab Hochs und Tiefs und bald konnte ich kaum viel mehr machen als zu Liegen und meiner Großen zuliebe einmal am Tag vor die Tür zu gehen. Abends schlief ich unter Schmerzen ein und ich wünschte mir einfach nur das die Schwangerschaft endlich vorbei war. Der errechnete Termin war der 23. März 2017, der korrigierte der 16. März 2017. An diesem Tag passierte jedoch nichts. Auch nicht an den folgenden Tagen. Der eigentliche ET rückte näher und jeden Morgen, jeden Abend, jede Minute hoffte ich, dass es endlich losging.

In der 39. Woche musste ich ins Krankenhaus, da das CTG nicht in Ordnung war und ich mein Baby zu wenig fühlte. In meiner Wunschklinik wurde ich stationär aufgenommen und alle 5 bis 6 Stunden wurde ein CTG gemacht. So bekam ich gleich die Chance, mit einer Ärztin dort zu reden. Ich hatte zwar mein Planungsgespräch bereits in der 32. Schwangerschaftswoche gehabt, doch da wurde mir gesagt, dass eine spontane Geburt nach einem Kaiserschnitt kein Problem sei und auch eine eventuell benötigte Einleitung machbar wäre. Die Ärztin, mit der ich am Tag meiner Entlassung sprach, hatte da jedoch eine ganz andere Meinung: Nein, es würden keine Spontangeburten zugelassen, wenn die erste Geburt ein Kaiserschnitt war. Generell nicht. Ohne Ausnahmen.
Für mich brach eine Welt zusammen. Ich hatte mich so sehr darauf gefreut, diesmal eine normale Geburt erleben zu dürfen. Und nun? Als mein Mann mich vom Krankenhaus abholte redeten wir lange…und beschlossen, das nicht so hinzunehmen. Ich wusste, ich kann eine normale Geburt schaffen! Wir redeten mit meinem Frauenarzt und auch er sagte, es spräche nichts dagegen. Bis 18 Monate nach einem Kaiserschnitt wäre das Risiko einer Gebärmutterruptur zu groß. Doch danach? Und meine Erstgeborene war doch bereits fast drei Jahre alt!

 

Also telefonierten wir die anderen Kliniken ab.

Die erste Klinik, welche etwa 1 Stunde von unserem Wohnort entfernt lag, wirkte nicht begeistert. Die 2. Klinik stellte viele Fragen und sagte schließlich: Warum sollte eine normale Geburt nicht möglich sein? Und so beschlossen wir: Diese Klinik sollte es werden! Mein Bauchgefühl verriet mir dass es die richtige Entscheidung war!

Am Tag des eigentlichen ET hatten wir also einen Termin in der Klinik. Ich wurde untersucht, das Risiko wurde besprochen und die Ärztin war guter Dinge. Wenn es spontan los ginge wäre es natürlich am Besten, doch auch eine Einleitung wäre durchaus mit einigen Mitteln machbar. Erleichtert gingen wir nach Hause.
So vergingen die Tage. Ich musste alle zwei Tage zur Kontrolle in die Klinik. Bis ET+10 dürfe ich übertragen, hieße es. Denn später würde keine Einleitung gemacht werden. Da wir genau an diesem Tag meine Schwiegereltern vom Bahnhof abholen würden baten wir darum, es bis ET+11 weitergehen zu lassen, solange es mir und dem Baby gut ginge. Die Ärztin war einverstanden und so ging ich am 03.04.2017 in die Klinik, noch ohne meinen Mann, da dieser seinen Frühdienst beenden musste. Ich wurde aufgenommen, untersucht und eigentlich war alles bereit, um einzuleiten. Ich war sehr nervös, doch kurz darauf kam die Ärztin und meinte: Heute würde keine Einleitung mehr stattfinden. Der Kreißsaal war hoffnungslos überfüllt. Ich musste erst einmal lachen und ging dann also wieder nach Hause. Bei Et+12 dann der neue Versuch. Morgens um 9 kam ich gemeinsam mit meinem Mann in den Kreißsaal und wurde schließlich mit Gel eingeleitet. Die Ärztin wies noch einmal darauf hin: Länger als bis ET+14 dürften sie nicht warten, dann würde das Kind per Kaiserschnitt geholt werden. Ich wollte es jedoch zumindest versuchen…

Am Abend bekam ich wilde Wehen. Die ganze Nacht über hatte ich Schmerzen, die ich kaum veratmen konnte und die mich wenig Schlafen ließen. Am nächsten Morgen um 8 erschien ich wieder im Kreissaal und das CTG zeigte eben diese Wehen an, jedoch absolut nichts regelmäßiges. Sie wurden weniger und waren zum Ende des CTGs bereits fast weg. Dennoch wollten die Ärzte mit dem Einleiten warten. Ich ging also zurück in mein Zimmer und um 10 begann es. Ich bekam regelmäßige, ziehende Schmerzen. Ich dachte: Wieder nur wilde Wehen! Und machte mir keine Gedanken. Ich ging noch zu einem kurzen Vortrag der Stillberater, wo mein Mann schließlich auch dazu kam. Gemeinsam gingen wir um 11 Uhr schließlich in den Kreißsaal. Da hatte ich bereits regelmäßige, starke Wehen, der Muttermund hatte begonnen sich zu öffnen und der Gebärmutterhals war verschwunden (um 8 Uhr morgens war der Befund noch unreif).

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Endlich ging es also los!

In den nächsten Stunden bekam ich nur Bruchstücke mit. Ich war müde, vollkommen erledigt von der durchwachten Nacht und die Schmerzen ließen sich kaum veratmen. Ich musste mich Übergeben durch die Schmerzen. Irgendwann kam die Hebamme zu mir und erklärte mir, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich war zu erschöpft, um die Wehen zuzulassen und würde eine Geburt so nicht durchstehen können. Also schlug sie eine PDA vor. Ich hatte mir vorgenommen, es ohne zu schaffen…doch in diesem Moment stimmte ich einfach nur noch zu.
Nach2 Versuchen (da ich ein starkes Hohlkreuz habe) durch sehr einfühlsame Ärzte lag die PDA und ich erlebte die erste schmerzfreie Wehe…und schlief sofort ein. Mein Mann blieb die ganze Zeit an meiner Seite. Nachdem ich wach wurde durfte ich eine Kleinigkeit essen, mein Mann fuhr noch einmal nach Hause um nach unserer Tochter zu sehen, die bei unseren Schwiegereltern gut aufgehoben war. Als er um 20.30 Uhr zurück kam ging es bereits schnell weiter. Der Muttermund war bei 8 cm und das Köpfchen tief im Becken. Um 10 Uhr wollte die Ärztin dann noch einmal nachschauen, wie weit wir waren. Ihre Worte werde ich nie vergessen: „Huch, ich sehe Haare!“ Mein Mann und ich schauten beide zu ihr und ich durfte das erste Mal mein Baby berühren…tastete dichtes, nasses Haar.
Aufgrund einer Zwillingsgeburt im Nebenzimmer musste die Ärztin jedoch schnell gehen. Die Hebamme war noch sehr entspannt, stoppte die PDA. Als ich ihr jedoch sagte, dass ich Pressen muss ging alles ganz schnell. Innerhalb von nicht einmal 15 Minuten kam unser kleines Wunder zur Welt! Stolze 4115 g schwer, 55 cm groß und einer wahnsinns Haarpracht! Ich bekam unser Baby kurz auf die Brust, musste sie jedoch erst einmal wieder abgeben, da sie nur schwer Luft bekam. Als sie endlich stabilisiert war konnten wir kuscheln. Zur Begrüßung wurde ich erst einmal ordentlich vollgekackt 😛
2 Stunden bekamen wir Zeit, um uns einfach nur kennenzulernen. Wir waren vollkommen erschöpft aber unendlich glücklich. Und ich war einfach nur stolz auf mich! Denn ich hatte mir nicht von den Ärzten reinreden lassen und durfte tatsächlich eine normale Geburt erleben! 42 Wochen Schwangerschaft, 28 Stunden Wehen hatten sich gelohnt und ein Dammriss 3. Grades!

Das erste Stillen klappte problemlos, unser Mopsi-Baby, wie sie liebevoll genannt wurde, wurde gewaschen und angezogen während auch ich mich saubermachen durfte. Mittlerweile spürte ich meine Beine wieder (die PDA verging schneller als die Hebamme erwartet hatte). Morgens um 3 Uhr durften wir auf unser Zimmer und schickten den Papa erst einmal nach Hause zum Schlafen…
Besagte Zwillingsmama- sie hatte eines der Babys kurz vor mir und eines kurz nach mir geboren- war ebenfalls dort und anstatt zu schlafen unterhielten wir uns den Rest der Nacht. Bis ich morgens glücklich mit meinem Baby im Arm einschlief.
Wir hatten noch das ein oder andere Problemchen (Mopsi-Baby wollte nach der Geburt trotz voller Blase kein Pipi machen, sodass wir noch bleiben und einige Untersuchungen über uns ergehen lassen mussten). Doch nachdem das Pipi endlich lief und ein letztes Mal die Sauerstoffversorgung überprüft worden war durften wir endlich nach Hause!

geburtsberichte_Leserinnen erzählen ihre Geschichten

Mein Fazit?

Ich bin unendlich dankbar dafür, zwei gesunde Töchter zu haben. Ich bin unendlich dankbar für meine Familie. Ich bin unendlich dankbar, dass ich das Erlebnis einer normalen Geburt mitnehmen durfte. Und ich kann nur allen werdenden Mamas- egal ob es die erste, zweite, dritte oder zehnte Schwangerschaft ist- raten: Hört auf euer Bauchgefühl! Sei es bei der Wahl der Klinik, bei der Entscheidung über die Geburt oder auch später, wenn euer Kind auf der Welt ist.