Meine Kinder müssen sich nicht entschuldigen…

Höflichkeitsfloskeln und freundliche Umgangsformen sind mir als Mensch wichtig und ich freue mich über ein „Hallo“ genauso wie über ein „Bitte“ oder ein „Danke“. Wenn meine Großmutter von meiner Kindheit erzählt, dann sagt sie oftmals, dass ich ein freundliches Mädchen seit eh und je bin und schon mit etwas über einem Jahr so etwas, wie „sönen dag“ gesagt hätte. Sicherlich sagte ich es, weil ich es von anderen hörte und das Verhalten nachahmte. Auch noch heute ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass ich bspw. in Geschäften „Guten Tag“ sage oder ich mich in Emails oder unter Kommentaren bedanke. Es fängt im Kleinen an und hat seinen Platz an vielen Stellen des Alltags.

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Ich würde lügen, wenn ich nun schreiben würde, dass es mir egal ist, ob meine Kinder höflich sind. Natürlich finde ich es schön, wenn sie sich für Geschenke bedanken oder ein „Hallo“ beim Betreten des Bäckers im Ort herausbringen. Ich mag es, wenn sie etwas möchten und dementsprechend bitten und mindestens genauso schön finde ich es, wenn sie sich ordentlich verabschieden, wenn wir irgendwo zu Besuch bei Verwandten sind. Trotzdem bestehe ich nicht darauf, dass sie sich entschuldigen, grüßen oder bitten.

Falsche Moral vs. Lügen aus Freundlichkeit?

Ich habe häufig darüber nachgedacht, wie ich reagiere, wenn bspw. der Moment kommt und mein Kind sich nicht entschuldigen möchte, obwohl es in meinen Augen die Schuld trägt. Schon bevor ich selbst Kinder hatte, brannte sich eine Situation ein: Eine Bekannte meinerseits hatte damals ein ungefähr 3-jähriges Kind, dass hin und wieder ein wenig ungestüm war. Manchmal passierte es, dass dabei unabsichtlich etwas zu Bruch ging oder auch einmal ein anderes Kind etwas unsanft angerempelt wurde. Ja, es wäre richtig gewesen sich dafür zu entschuldigen, wenn man etwas falsch macht. Der kleine Racker schien aber die ganze Sache aus einem anderem Blickwinkel wahrzunehmen und überhaupt nicht daran zu denken, dass er jemanden weh getan hat. Später habe ich viel mehr zu dem Thema gelesen und erkannte die Tatsache, dass auch das Gehirn in diesem Alter noch gar nicht so richtig in der Lage ist Mitgefühl für andere zu erzeugen. Wer kein Mitgefühl haben kann, der kann auch keine Reue empfinden und so begann die Spirale.

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Die Mutter stand damals aufgeregt da und meinte immer wieder: „Entschuldige dich jetzt!“. Der Kleine schüttelte den Kopf. Sie darauf hin: „Du sollst dich entschuldigen.“ Der Junge wollte nur eines, nämlich weiter spielen. Die Mutter nun langsam sauer: „Du sollst dich bei dem Mädchen entschuldigen, dass wegen dir umgeflogen ist.“ Er schaute verdutzt drein. Nun wurde dass „geschädigte“ Mädchen am Arm genommen und zu ihm gebracht: „Sie nur, wie es A. weh getan hat. Siehst du die Tränen denn nicht?“. Kopfschütteln. „Ich bin wirklich enttäuscht von dir. So ist kein lieber Junge.“ Die Situation war inzwischen für alle unangenehm. Das kleine Mädchen hatte längst vergessen, was passiert war und bestand nicht auf eine Entschuldigung. Der „Verursacher“ erkannte sein Fehlverhalten nicht und einzig die Mütter erwarteten nun folgerichtiges Verhalten. Da es jedoch mit dem Entschuldigen anscheinend nicht so funktionierte, musste irgendetwas folgen und so passierte etwas, dass sich bei mir ganz blöd einbrannte: „Wenn du dich jetzt nicht entschuldigst, gehen wir nach Hause.“ Plötzlich drehte sich der Junge um und sagte ein kaum hörbares: „Tschuldigung“. Das reichte der Mutter nicht und so folgte: „Das habe ich nicht verstanden, nochmal lauter bitte.“ „ENTSCHULDIGUNGGGGGGGGGGGGG“. Die Mütter schienen zufrieden und gingen ihren Gesprächen wieder nach, ich blieb am Rande und stutzte.

Ist es das wirklich?

Ich meine, ist es das wirklich, was wir wollen? Kinder, die sich nicht entschuldigen, weil sie spüren, dass da etwas falsch gelaufen ist, sondern Angst vor der willkürlichen Folge haben, die ihnen die Mutter dann auferlegt, falls sie nicht das gewünschte „Entschuldigung“ an den Tag bringen? Das hat mich so beschäftigt und als ich neulich auch bei Instagram eine Diskussion darüber führte, war auch dort eine Mutter, die sagte: „Meine Kinder MÜSSEN sich entschuldigen.“ Ich frage mich, wie man dieses „MÜSSEN“ anders umsetzen könnte, außer indem man reine Willkür walten lässt. Ein Kind, dass nicht versteht, warum es sich entschuldigen soll, wird sich nicht entschuldigen.

Ich habe weiter darüber nachgedacht: NEIN, ich möchte Kinder, die sich entschuldigen, weil sie es ehrlich meinen. Auch wenn die Gesellschaft erwartet, dass unsere Kinder stets kokett und auf den Punkt reagieren, so finde ich ein unehrliches Entschuldigung, dass einzig auf dem Druck beruht, den wir Eltern den Kindern machen, irgendwie total falsch. Das ist einfach nicht MEIN Ziel und auch nicht die Auffassung nach der ich lebe. Genauso verhält es sich mit „Hallo“ und „Danke“ usw. Meine Kinder sollen es sagen, weil sie es wollen, weil sie dem Gegenüber ihre Wertschätzung ausdrücken möchten und nicht, weil sie sonst mit negativen, willkürlichen Folgen oder Ermahnung rechnen müssen.

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Was kann ich als Mutter aber tun?

Ich selbst lebe einfach Höflichkeit vor. Ich sage „Guten Tag“ an der Kasse beim Einkaufen, ich grüße Bekannte auf der Straße und ich entschuldige mich, wenn ich versehentlich mit der Tasche anremple. Darüber hinaus habe ich einen Mund. Wenn ich ein Entschuldigung angebracht finde, dann kann ich mich entschuldigen und ich finde es auch legitim das zu tun, wenn mein Kind in meinen Augen falsch gehandelt hat: „Es tut mir leid, dass dich mein Sohn gerade versehentlich angerempelt hat. Ist dir etwas passiert?“. Und ja, natürlich kann ich meinen Kindern offen sagen, was ich mir wünsche. „Weißt du, ich würde es schön finden, wenn du  dich von Opi noch fix verabschiedest. Wir werden ihn so lange nicht sehen.“ oder im Nachgang (je nach Alter) „Du, warum wolltest du Opi heute nicht Tschüss sagen?“.

Ich glaube, dass wir als Mütter oft einfach in dieser Erwartungsschiene stecken. Wir machen uns Gedanken darüber, was unser Gegenüber nun von uns denken wird und möchten nicht als schlechte Mutter abgestempelt werden. Dabei stehen wir uns vielleicht manchmal ein wenig selber im Wege und eventuell setzen wir dann auch falsche Erwartungen in unsere Kinder. Ich bin der festen Überzeugung, dass man Höflichkeit genauso wie das Gehen lernen kann. Dafür braucht es Zeit und Vorbilder. Druck und Zwang braucht es hingegen nicht.

Nebenbei erwähnt: Bei uns scheint mein Weg ganz gut zu funktionieren. Ich empfinde meine Kinder als sehr höfliche Persönchen. Folgende Bücher empfehle ich dir gerne. Durch einen Klick darauf, kannst du sie direkt nachkaufen*

Wie siehst du das? Hinterlasse gerne deine Meinung unter dem Beitrag.

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Sabrina

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Author: Sabrina

Quirlige Dreifachmama mit Hang zum kreativen Chaos, Kaffeeduftliebhaberin, pastellliebend, fantasievoll und chronisch unentschlossen, aber dafür immer wieder auf der Suche nach neuen kreativen Herausforderungen.

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24 Kommentare

  1. Danke!
    Ich sehe das genauso wie du. Aber man muss sich ständig von gesellschaftlichen Zwängen frei machen…

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  2. Eines muss ich doch noch loswerden…
    Mein Opa sagte oft „eine Entschuldigung ist eine Höflichkeit, die zu spät kommt.“
    Was hab ich diesen Spruch gehasst, aber im Grunde hat er recht. Und heute gebrauche ich diesen Spruch, in erster Linie gegenüber Erwachsenen, die sich rücksichtslos verhalten und dann ihr „tschuldigung“ daherbrabbeln. 😇

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  3. Danke Sabrina für diese offenen Worte!
    Ich empfinde selbst auch bei Erwachsenen das „Ups tschuldigung“ mit einem Akzent von „geht mir Sonst wo vorbei“ als fiese Lüge. Wenn sich jemand nicht aufrichtig entschuldigen möchte, soll er oder sie es bitte ganz sein lassen! So eine hingerotzte und nicht ernst gemeinte Entschuldigung bedeutet nichts als Heuchelei. Und das muss auch für Kinder gelten.
    Wie heißt es so schön? Erziehung bringt gar nichts – sie machen ja doch alles nach.
    Und selbst ein gutes Vorbild abzugeben und sich konsequent selbst so zu verhalten wie man es von anderen erwartet, kann unheimlich hart sein. Man kann sich quasi direkt selbst den Spiegel vorhalten 😁
    Ich bin schon vor einiger Zeit dazu übergegangen und akzeptiere nur noch ernsthafte Entschuldigungen, nicht aber das floskelhafte Dahingesäusel. Ich hoffe, meine Kinder lernen so auch besser ihre Gefühlswelt kennen, die einem eigentlich ziemlich zuverlässig anzeigt, wann eine Entschuldigung angebracht ist.

    Herzlichen Gruß,
    Mona

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  4. Dein Text hat mich grade etwas nachdenklich gemacht, wie ich mit meinem Kind umgehe. Ich hab ein Mädchen, wir haben ihr das Hallo glaube weniger „erzwungen zu sagen“ da geht sie in einer Gruppe eher hinterher und macht es nach und besteht mittlerweile sogar darauf, wenn sie vergessen wird.
    Das entschuldigung sagen, haben wir in seltenen Situationen schon etwas abverlangt, teilweise aber mit spaßigem Gesicht. Einfach dass sie merkte, dass sie gerade was falsch gemacht hat. Aber eigentlich nie mit einer Drohung, was sonst folgt…
    Das Tschüß sagen verlief ähnlich wie beim Hallo, allerdings haben wir hier je nachdem manchmal Nachdruck verliehen, da es für beteiligte manchmal schon komisch ist, wenn sie ihr alles Liebe wünschen und sie sich wegdreht und gehen will.
    Was wir genauso machen wie früher unsere Eltern ist das Bitte und Danke. Da legen wir halt auch viel Wert drauf und ich glaube das meint sie meist nicht Mal böse, sondern ich glaube das vergisst sie in solchen Momenten vor Freude einfach. und da fragen wir dann halt: Hast du dich bedankt? … rums… wird sich umgedreht und Danke gesagt.
    ich glaube und hoffe, dass sie mir trotzdem bisher nie ein Entschuldigung gesagt hat, nur weil sie weiß, dass ich das hören will. (so gesehen bei einer Freundin). Ich denke meine Maus meint das dann schon ehrlich.

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  5. Da sprichst Du mir aus der Seele. Solche Situationen hat bestimmt jeder der Kinder hat bereits erlebt.Kinder müssen aber erst mal in der Lage sein ihr Verhalten richtig einzuschätzen und die damit verbundene Wirkung.Außerdem sind wir Mütter und Omas auch manchmal völlig baff ,was in den Kinderköpfen so vorgeht.
    Ich will Dir kurz ein Beispiel schildern. Meine 4 jährige Enkelin Lotte hat ein Problem sich zu verabschieden.Eines Tages traf sich die ganze Familie im Krankenhaus um ihre neu geborene Schwester zu begrüßen. Die kleine Lotte kam auf uns zugestürmt und zeigte uns voller Stolz ihr Schwesterchen. Etwas später musste Sie mal für kleine Damen und ich habe sie begleitet. Wir unterhielten uns und kamen auch auf das Thema “ warum verabschiedest Du dich nie“. Darauf antwortete Lotte ,dass Sie nicht Tschüss sagt ,weil wir nicht gehen sollen und das wir ihr dann so fehlen. In diesem Moment war ich sehr froh, dass Sie Eltern hat die Sie wegen so etwas nicht gängeln.Kann man doch gut verstehen.
    Lieben Gruß Iris

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    • Wie niedlich und lieb von ihr! Ja, manchmal steckt viel mehr dahinter.

  6. Die Überschrift hat mich zuerst ein wenig irritiert ☺, aber der Text gefällt mir sehr gut.

    Auch hier halten uns die Kinder oft ein Spiegel vor. Ich erinnere mich noch gut daran, als mein Sohn über eine Person abwertend sprach, die ich nicht besonders gut leiden konnte. Also habe ICH mich geändert und versuche seitdem nicht mehr zu lästern und mir bissige Kommentare zu verkneifen.

    Bei meinem Jüngsten halte ich es meist so wie du. Bei meinen Kindern in der Pubertät erwarte ich allerdings ein Mindestmaß an Höflichkeit und fordere das auch konsequent ein.

    Allerdings finde ich, dass es in jedem Alter wichtig ist, dass man die Kinder nicht bloßstellt und sie ihr Gesicht wahren können.

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  7. Um ehrlich zu sein – ich stimme überhaupt nicht zu. DIe geschilderte Situation finde ich allerdings so auch nicht glücklich gelaufen. Trotzdem bestehe ich oft auf einem „Entschuldigung“, auch wenn ich es nicht bis aufs letzte erzwingen würde. Warum? Weil es auch zur Höflichkeit gehört. Auch als Erwachsene Personen sieht man die gleiche Situation oft sehr unterschiedlich, und der eine findet eine Entschludigung angemessen, der andere fragt sich – wofür? Aber um das Gegenüber nicht zu verletzen und um einfach weiter den Frieden zu wahren, entschuldigt man sich. Warum auch nicht? Ich kann deswegen weiterhin der Ansicht sein, dass es ja gar nicht so schlimm war. Aber dem Gegenüber tuts einfach gut. Und somit hab ich doch schon was gewonnen!

    das Entschuldigung kann dem Kind auch vermitteln, DASS etwas falsch ist. Wenn es das bis dato nicht verstanden hat, und noch die Empathie fehlt, dann wirds aber oft bewusst, wenn man sich entschuldigen muss. Ist zumindest bei uns hier schon mehrmals so gewesen.

    Ähnlich bei Bitte und Danke. Grundsätzlich sagt mein Sohn das von selbst und aus ganzem Herzen. Er vergisst es schlich oft. Beispiel die Wurst beim Metzger. Die schmeckt so lecker, wenn man die bekommt, und da ist das Danke erstmal Nebensache. Für mich gehört es aber auch zur Höflichkeit, sich ERST bedanken, und dann genießen. Denn dann ist auch Wertschätzung dabei, und das „erwarte“ ich auch bei meinem Kind. Leider werden solche Kleinigkeiten sonst für viel zu selbstverständlich genommen. Wenn mein Kind aber grad mal schüchtern sein sollte, oder aus einem anderen Grund nicht danke sagen kann / möchte, dann übernehme das auch gern mal ich für mein Kind. Je nach Situation eben 🙂

    Klar, eine lautstarke Diskussion würde ich um sowas nicht vom Zaun brechen. Ich berücksichtige auch immer die Umstände. Aber das heißt nicht, dass ich es ab sofort sein lasse, meinem Kind die Höflichkeitsregeln auch durch Worte, und nicht nur durch mein Beispiel beizubringen 🙂 für mich gehört immer beides dazu!

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    • Hallo genau das steht aber in meinem Beitrag, dass man natürlich mit dem Kind die Situationen besprechen kann, ABER eben nicht das Kind versucht in dem Moment zu zwingen…

    • Mein Vater hat früher immer von mir verlangt, dass ich mich für die Geschenken von den Großeltern angemessen bedanke, sofort, wenn ich sie auspacke. Weil er wusste, dass es seinen Eltern sehr wichtig ist, dass sich Kinder gut benehmen. Ich hatte immer so sehr Angst, vor lauter Freude das Dankeschön zu vergessen, dass ich das Geschenke auspacken gar nicht richtig genießen konnte (bei Oma und Opa). Zudem kam mir mein (erzwungenes) Danke immer selbst so unecht vor und ich habe das ehrliche freuen als viel authentischer empfunden…

  8. Hallo Sabrina! Ich finde auch, dass erzwungene Entschuldigungen Blödsinn sind und wir handhaben es da genauso wie Du. Wie oft habe ich schon Situationen beobachtet, in denen am Ende keins der beiden Kinder noch wusste, worums geht und die Eltern redeten pausenlos auf die „Aggressorin“ ein, während die Kinder beide lieber weiterspielen wollten. Grade von Außen betrachtet völlig skurril. Beim Bitte-Danke-Hallo-Tschüß erwarte ich hingegen schon etwas. Gibts an der Wursttheke eine Scheibe, erinnere ich ans Danke, wenn das nicht geht, übernehme ich. Gabs Geschenke über die die Kinder sich gefreut haben, finde ich es angemessen, wenn sie das auch zum Ausdruck bringen. Auch möchte ich gerne, dass meine Kinder „Kann ich bitte was zu trinken haben?“ sagen und nicht „Ich hab Durst!“ oder „Trinken!!!“ Das z.B. sind Situationen, die ich kaum vorleben kann, denn idR hole ich mir alles selbst/ bin da nicht auf Hilfe angewiesen. Ich denke, eine Routine auch im Begrüßen/Verabschieden von Erwachsenen vermittelt den Kindern auch eine Sicherheit im Umgang mit anderen Menschen. Und gewissen Umgangsformen öffnen ja nicht nur einem selbst mehr Türen, sie tragen ja auch zu einem angenehmeren Miteinander bei. Ich versuche allerdings, diskret auf die Möglichkeit eines Handschlags/Wortes hinzuweisen. Wenn das nicht geht, die Kinder schüchtern sind oder die Leute nicht mögen, dann wird nichts erzwungen oder vor den anderen Menschen noch groß rumdiskutiert. Dann übernehme ich und die Erwartungshaltung von Erwachsenen ist in dem Moment befriedigt, wenn ich sage „Danke geht heute wohl nicht“ oder „Heute etwas schüchtern, keine Zeit für Begrüßungen“ etc. Dann sind meist alle zufrieden, die Gegenüber sehen, dass es bei uns wahrgenommen wird und meine Kinder haben ihre Würde behalten.

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    • Hallo Tomke, ja und genauso leben wir es auch, wie ich am Ende steht. Nur weil ich nicht auf ein „Entschuldigung“ oder „Tschüss“ bestehe, heißt das ja nicht, dass ich mit den Kindern die Situation nicht besprechen kann und meine Ansicht darlegen…

  9. Guten Morgen Sabrina, du hast sowas von recht. Ich bin auch so ein Typ Mensch uns ich denke wenn wir Eltern ein Vorbild sind wollen unsere kleinen genauso sein. Ich denke wenn man bestimmte Themen anspricht wenn man unter viet Augen ist rücksichtsvoller dem eigenen Kind gegenüber. Ich hatte auch so ein Fall mit meinem Kind und bin in das Nebenzimmer. Es hat keiner mitbekommen und mein der sonst auch so stürmisch ist. Hat eingesehen das er selber so auch nicht behandelt werden möchte. Oft haben wir Eltern so viel zu tun. Das sowas leider untergeht…. Das sollte es aber nicht.
    Danke für deine tollen Zeilen und deine Zeit. Ein recht schönes Wochenende euch, mach weiter so die Welt braucht mehr solche lieben Menschen.

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    • DANKE dir

  10. Danke für den schönen Beitrag. Ich hab auch so einen Bitte-Danke-Entschuldigung-Hallo-Tschüss-Verweigerer hier und bin tatsächlich die einzige, für die es sich falsch anfühlt, das herbeizunötigen.
    Wenn sie etwas möchte, haben wir uns jetzt nach langem Hin und Her auf „Kannst du…“ anstatt „Du SOLLST…“ geeinigt, aber das Bitte bleibt dennoch oft weg.
    Entschuldigen tut sie sich tatsächlich nicht, ist jetzt 3,5Jahre und frisch im Kindergarten. Ich bin gespannt, was da für Situationen auf sie zukommen. Mittlerweile sagen nämlich Spielgefährten: „Nein, sie soll sich erst entschuldigen!“ Wie reagiert man darauf als Mutter? Hach.
    Und noch mal ein ganz anderer Blickwinkel: Ich finde ja, dass man sich gar nicht entschuldigen KANN. Eigentlich müsste man um Entschuldigung BITTEN – das tut aber auch in der Erwachsenenwelt keiner mehr…
    Schöner Gedankenanstoß auf jeden Fall, danke dafür.

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    • In dieser Situation würde ich bspw. fragen, ob es okay ist, wenn du dich für sie entschuldigst, falls sie nicht möchte. Wäre zumindest ein Kompromiss <3

  11. Hi,

    ja, ich de ke es ist tatsächlich der Druck der Außenwelt der uns zu solchen „Erziehern“ macht. Oder andere Mütter die einem erzählen wie wichtig sie finden dass ihr Kind das macht und man selbst fängt an unsicher zu werden.

    Wenn letztens ein Verwandter nach einer „Kind ist langweilig also macht es wiederholt Quatsch“-Aktion raunte xy sei aber besser erzogen als mein Kind, dann stehe ich betreten da und denke.. mmmhh eigentlich lebe ich alles „richtig“ vor.
    Ich muss noch lernen dann darüber hinweg zu hören statt mir Gedanken zu machen.

    Jedes Kind dann, wann es sein Fenster dafür öffnet. Und immer wieder bin ich überrascht wenn es doch geht. Wenn doch ein Hallo oder Danke kommt. Aber eben dann wenn das Kind es für richtig hält und nicht wenn wir meinen jetzt müsagte gesellschaftlich ein danke erfolgen.

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  12. Ich danke dir für deine offene Art Themen zu betrachten. Du hast so Recht. Es sollte selbstverständlich sein, so vorzugehen wie du es tust. Wie oft raune ich meinem großen ein „Danke“ zu, wenn er sich nicht bedankt.

    Ich danke dir für’s Gedanken anstoßen!!
    Yvonne

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    • <3 DANKE

  13. Ein sehr schöner Beitrag! Ich war neulich in einer ähnlichen Situation. Mein Sohn sagte zu seinem Freund „Du bist dumm!“ Ich war erschrocken weil die beiden eigentlich einen ganz entspannten und schönen Tag zusammen verbracht hatten. Ich sagte er solle sich entschuldigen weil man sowas nicht sagt. Es ging ein wenig hin und her und mein Sohn entschuldigte sich schließlich jedoch ohne Androhung von Konsequenzen. Mir fiel aber auf, das weder mein Sohn und vor allem nicht sein Freund noch wussten was los war. Ich hab mich dann so für mich selbst geschämt. Wie dumm war ich denn bitte 🙁 Eigentlich weiß ich, dass mein Sohn (4) den Zusammenhang dieser Wörter noch gar nicht verstanden hat. Er sagt öfter solche Dinge ohne jemanden damit beleidigen zu wollen. Aber was mache ich denn in solchen Situationen? Reicht die pure Erklärung „Das könnte andere Beleidigen und dann sind die traurig“ reichen? Und wie begegne ich anderen wenn sie erwarten das meine Kinder diese Fliskels sagen wie „Guten Tag“ und „Tschüss“ oder „Herzlichen Glückwunsch“? Denn Oma und Opa bestehen darauf und dadurch entstehen oft unangenehme Situationen. Habt ihr Tipps was ich da tun könnte?
    Danke, dass ihr zeigt das es ok ist wenn die Kinder nicht zum richtigen Zeitpunkt das quasi richtige sagen. Ich hab selbst nicht immer für nötig empfunden aber aufgrund der Erwartungshaltung anderer trotzdem drauf bestanden. Das word jetzt aufhören! Danke!

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    • Huhu Madeleine, danke für den Kommi! Zu der Situation oben: Ich würde einfach das Thema einmal aufgreifen, wenn er mal Zeit hat (nicht gerade im Spiel vertieft ist) und fragen, warum er meint, dass sein Freund dumm sei. Oftmals kommt dann total belangloses und den Kids fehlt einfach der Wortschatz um dumm etwas „netter“ auszudrücken. Ich glaube sie sehen das Wort dumm auch nicht so wie wir Erwachsenen. Unser Mittlerer sagt immer mal: „du bist blöd.“ Vor allem dann, wenn ich seine Meinung nicht teile und ja, dann bin ich in seinen Augen vielleicht wirklich gerade blöd, aber er hasst mich deshalb ja nicht grundsätzlich. Ich würde es auch dem Kind erklären, dass „du bist dumm“ andere Menschen verletzen kann, weil sie sich dann so fühlen, als würde man sie nicht mögen. Es gibt auch tolle Kinderbücher zu Gefühlen, die versuchen das zu erklären.

      Und zu den Omas und Opas: Da übernehme ich: „Hallo“ oder „Herzlichen Glückwunsch von UNS“. Damit spreche ich allgemein aber zwinge keinen der Kinder direkt die Hand zu schütteln. Wenn dann sowas kommt, wie „Aber der Kleine mag wohl nicht die Hand geben?“, sage ich mittlerweile oft: „Man weiß doch wie es ist: es gibt solche und solche Tage.“ Damit geben sich die meisten älteren Menschen zufriede.

    • Ich finde das Thema auch sehr interessant und weiß manchmal nicht so recht, was der richtige Weg ist. Dein Beispiel ist natürlich sehr extrem, man sollte das Kind natürlich nicht zwingen sich zu entschuldigen. Allerdings finde ich auch, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der gewisse Werte dazu gehören und diese kann man Kindern nicht nur durch vorleben beibringen.

      Meine Schwägerin z.B. fand auch, dass ihre Kinder kein Bitte und Danke sagen müssen und mittlerweile schon in der Pubertät, machen sie das auch nicht und haben es nie gemacht. Meine Schwiegereltern sind davon nicht begeistert und ich kann sie ehrlich gesagt verstehen. Es hat auch etwas mit Anstand zu tun und das sollte man als 15jähriger Wissen.

      Mein Kind stellt mir aus Spaß oft das Bein während ich unser Kleinkind im Arm habe und ich habe ihm schon so oft erklärt, dass ich das nicht möchte, weil es gefährlich ist. Und in solchen momenten erkläre ich ihm wie weh das tut, dann sagt er ok, Mama, und dann sage ich schon: und wie sagt man dann? Und dann sagt er entschuldigung.

      Oder als Oma ihm früher was geschenkt hat, fragte ich ihn, gefällt es dir? Und er ja, dann hab ich auch gesagt, und wie sagt man dann? Mittlerweile sagt er meist von alleine danke. Aber das würde er bis heute nicht, wenn ich es ihm nicht beigebracht hätte.

      Ist das denn so verkehrt, Kinder das beizubringen dass gewisse Floskeln ebend zu unserer Gesellschaft gehören? Das ist doch auch ein Punkt unter vielen, der unsere Kultur ausmacht oder?

    • Hallo Lisa, ja es vorleben und vermitteln, dass man Wert darauf legt, finde ich vollkommen legitim, aber es mit „Gewalt“ oder auch „unter Androhung negativer Folgen“ durchzusetzen, finde ich dann daneben.