Fotos sind Erinnerungen, sie fangen Momente für die Ewigkeit ein und sind für uns ein Stück anfassbare Vergangenheit. Wie wunderbar wertvoll! Okay, ich schreibe da vom Wunschzustand des Seins: Realität ist, dass ich mir in den vergangenen Wochen einer bedeutenden Sache bewusst geworden bin: Ich habe zig bedeutungslose Fotos hier rumliegen.

Beim ersten Kind schießt man gefühlte 300 Fotos am Tag. Ich habe Aufnahmen von meinem großen Sohn, die ich zu einem Video verarbeiten könnte: Oh er lächelt, oh er lächelt noch etwas mehr, oh er lacht, oh ein Auge ist zu…usw. Irgendwann öffnete ich meinen Fotoordner im PC und war erstaunt über die Menge an Fotos, die sich über die Zeit angesammelt hatte. Schade, dass sie keiner dort anschaute und so bestellte ich mir flux Abzüge. Durch verlockende Angebote können es dann auch gerne direkt ein paar mehr sein und so sammeln sich die einzelnen Fotos irgendwann in einer Kiste ganz hinten im Schrank und werden nur in den seltensten Fällen herausgezogen. Nur wenige Exemplare schaffen es in den Bilderrahmen und überhaupt sind davon nur die kleinste Menge wirkliche „WOW-Momente“. Früher hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich einst Fotos wegwerfen werde. Heute wurde ich eines besseren belehrt. Es geht und es tut nicht weh. Und damit sich nie wieder über 1000 (so viele waren es tatsächlich) aussagenlose Abzüge in einer verstaubten Kiste sammeln, habe ich hier meine Tipps zusammengefasst, die mir helfen Fotos besser und vor allem sinnvoll zu organisieren.

Keine Sinnlosfotos mehr

Regel Nummer 1, die ich mir inzwischen verinnerlicht habe, lautet: Keine Sinnlosfotos mehr. Natürlich schieße ich immer noch manchmal sozusagen „Ausschuss“, aber dieser schafft es nicht mehr auf meinen PC. Ich lösche direkt auf der Speicherkarte Fotos, die verschwommen sind, keine Botschaft enthalten oder nichts darstellen. Ich habe mir abgewöhnt bei Zoobesuchen jedes Tier zu fotografieren und im Urlaub 200 Aufnahmen von Sehenswürdigkeiten zu machen. Warum? Im Endeffekt erinnere ich mich vor allem bei den Fotos, wo wir als Familie oder ich mit Freunden zu sehen bin an den Moment und damit verbundene Emotionen. Auch, wenn Kornblumen, Kamele und Kirchen nett sind, so bringen sie mir in 10 Jahren nichts mehr rüber.

Fotobuch statt Abzüge

Statt einzelne, herumflatternde Abzüge zu bestellen, erstelle ich jetzt lieber direkt Fotobücher. Natürlich nimmt das mehr Zeit in Anspruch und die muss man auch erstmal haben, aber wiederum sehe ich dann meine Vorhaben alá „Ich gestalte mit den Abzügen ein ganz persönliches Fotobuch.“ Das ist natürlich nie passiert, weil sie in der Kiste lagen. Als ich dann irgendwann die Lust daran verspürte anzufangen, wusste ich teilweise gar nicht mehr, wann welches Foto entstanden war und schon verwarf ich die Idee bis auf Weiteres. Die Kiste wurde voller und voller und der Rest ist Geschichte…

digitale Aufbewahrung

Ich bin Fan von digitaler Aufbewahrung und wäre es noch mehr, wenn nicht immer die potenziellen Daten „Datenmissbrauch“ und „was ist, wenn jemand das Internet löscht“ wäre. Fall B ist aus heutiger Sicht unvorstellbar, aber wer weiß das schon. Das Thema Datenmissbrauch ist jedoch eine ziemlich alltägliche Sache mittlerweile. Wiederum denke ich mir: Wenn ich Abzüge hochlade, um sie anschließend zu bestellen, ist ebenso ein Risiko vorhanden.

Onlineservice Ahwoo

In der letzten Zeit bin ich durch regionale Vernetzung auf Ahwoo gestoßen. Die Plattform ist für 1 Kind bis 500 mb Speicher vollkommen kostenfrei (generell aber auch bei mehreren Kindern 6 Monate kostenlos) und man kann dort via App oder auch PC ganz einfach Bilder, Musik und Video sowie Texte reinladen. Theoretisch wäre es sogar möglich gemalte Bilder abzufotografieren usw. Mit sogenannten Meilensteinen und Herzensmomenten lässt sich nach und nach eine Art Tagebuch gestalten. Für mich ist aber das unschlagbare Argument vor allem: Ich kann den Link meiner Familie, die auch weiter weg wohnt, unkompliziert zukommen lassen und sie somit jederzeit Einblick in das Leben ihrer Enkel geben. Für jemanden wie mich, der die Kamera oft am Mann hat und auch das Handy regelmäßig für Fotos zückt ist die Idee ein Segen: Die Software erkennt automatisch das Aufnahmedatum und sortiert chronologisch. Der Extrapluspunkt ist für mich, dass ich jederzeit eine Datensicherung erstellen kann, für mein Gefühl zur Sicherheit.

Ich bitte um Verständnis, dass ich zum Schutze meiner Kinder nur eine Beispielseite zeige.

 

Cloud oder Festplatte

Zu den hübsch aufgemachten Serviceangeboten bleibt natürlich noch die Alternative Festplatte oder Cloudspeicher. Der Vorteil beim Cloudspeicher ist auch hier, dass ich es mit der Familie teilen kann. Der Nachteil bleibt ebenso bestehen. Ich selbst speichere zusätzlich zur Sicherheit alle Fotos auf einer externen Festplatte nach Jahreszahlen chronologisch sortiert. Zugegeben schauen wir sie auch dort eher selten an.

Bilder an der Wand

Auch hier muss ich gestehen: ERWISCHT. Früher hatte ich tatsächlich eine Menge von „Sinnlosfotos“ herumstehen. Sie waren für mich bedeutungslos und spiegelten nicht wieder, was uns als Familie ausmacht. Diese Änderung kam mit Karolin Rögner. Sie ist Fotografin und zeitgleich mittlerweile auch eine gerne gesehene Seele in unseren 4 Wänden. Als sie uns das erste Mal als Familie fotografierte, bemerkte ich: Es gibt Fotos und es gibt eben Fotos. Inzwischen bin ich durchs Haus gelaufen, habe jedes Foto nochmals gemeinsam mit meinem Mann betrachtet und wir haben überlegt, welche Fotos wirklich etwas bedeuten. Es standen wirklich viele Fotos herum: Babyfüße, Babyhände, ein Gastgeschenkfoto, ein Schnappschuss, zig Kindergartenfotografenfotos und und und. Geblieben sind wenige, aber vor allem gute Fotos.

Heute würde ich mir immer 3x überlegen, welche Fotos ich als Familie machen lasse und vor allem bei wem. Ein paar nette Fotos vom Fotografen, die aber nicht das zeigen, was man sehen möchte, sind aus heutiger Sicht Zeit-, Geld- und Platzverschwendung. Ganz anders wirken auf mich eben die Fotos von Karo (siehe unten). Das Wort Bildsprache ist der entscheidende Punkt.

Übrigens Kindergartenfotos

Wo wir beim Thema sind: Kindergartenfotos sind ja etwas Schönes, aber mir ist aufgefallen, dass ich früher oft den gesamten Angebotspacken genommen habe, weil sie a) günstiger waren und ich b) das Bedenken hatte, dass die Kinder später Wert darauf legen würden jedes Jahr dokumentiert zu haben. Ganz ehrlich: Im letzten Packen waren mehr als 30 Bilder (wenn man Passfotos mitzählt) enthalten. Wirklich genutzt habe ich von dieser Packung 1/10. Ich habe mir geschworen bei jedem weiteren Schul- und Kitafoto gründlich zu überlegen, ob wir die Fotos wirklich unbedingt und auf jeden Fall brauchen, oder ob mir mein Gehirn da etwas vorjubelt.

Wie sieht mein Optimalfall aus?

Die beste Erfahrung habe ich ehrlich gesagt mit Alben gemacht, die mehrere Jahre beinhalten. So habe ich zum Beispiel für den Großen zum Schulanfang ein Album erstellt von Geburt bis Schulstart. Dieses Fotoalbum schauen wir so gerne und oft an. Genauso schauen wir uns gerne zusammengefasste Urlaubsalben an. Unsere Reisen von..bis… Ein ganzes Fotoalbum oder gar Einzelfotos zu einem einzigen Aufenthalt reisen uns eher nicht vom Hocker.

Fotos wegwerfen? 😮

Ja, ich habe es getan. Ich habe die Einzelfotos weggeworfen. Auf dem PC befindet sich eine Sicherung von der schönsten Auswahl. Anfangs war das Gefühl befremdlich Erinnerungen wegzuwerfen, aber mittlerweile überwiegt der klare Kopf: In der dunklen Kiste habe weder ich, noch die Kinder, noch der Rest der Familie Freude damit. Noch ein paar Fotos habe ich hier liegen, über die ich mir noch einen Kopf zerbreche. Vermutlich werde ich ein einfaches Einsteckalbum kaufen und sie dann im Schrank verstauen. Vermeiden möchte ich aber, dass am Ende statt einer riesen Fotoskiste im Schrank 40 Fotoalben stehen, die genauso bedeutungslose Aufnahmen enthalten.

Wie bewahrst du deine Fotos auf?

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  1. sue 15. Oktober 2018 at 16:19

    Mir ging es ähnlich. Ich habe zwar keine Abzüge bestellt, aber alle Fotos die ich je gemacht habe abgespeichert. Sie sind im Daten Nirwana verschwunden und wurden nie mehr angesehen.
    Seit ich Kinder habe ist die Anzahl der Fotos explodiert.
    Heute mache ich jeweils ein Fotobuch pro Halbjahr für die ganze Familie, keine extra Fotobücher für einzelne Ferien oder Feste. Eins pro Halbjahr für alle.
    Für die Fotobücher sammle ich alle Fotos die im letzten halben Jahr gemacht wurden zusammen. Was gegen die 7’500 sind. Davon sind aber viele unscharf, mehrfachabdrücker oder schlicht doppelte, da via SMS versendet. Sind alle abgespeichert und sortiert, wird rigoros aussortiert. Ich behalte vielleicht 1’500 Fotos pro Halbjahr.
    Daraus gibt es ein Album.
    Ursprünglich wollte ich nur ein Album pro Jahr machen, aber das habe ich nicht übers Herz gebracht. Zuviele Fotos waren so toll, dass ich sie doch ausgedruckt haben wollte. Wenn die Kinder grösser werden, wechsle ich vielleicht den Rhythmus von halbjährlich auf jährlich.

    Im Moment fahre ich sehr gut mit dieser Vorgehensweise. Wir haben schöne Fotobücher, die wir sehr gerne gemeinsam ansehen. Der Speicher wird nicht all zu sehr belastet und entrümpelt wird auch regelmässig.

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  2. Michaela 7. September 2018 at 13:43

    Interessantes Thema- wer macht sich da keine Gedanken dazu.
    Meine Lösung wurde in deinem Artikel schon angedeutet aber konkret mache ich es so: auf meinem PC werden alle Fotos gesammelt. Dort gibt es einen Ordner für jedes jahr und innerhalb dieses Ordners nochmal für jeden Monat. Jeden Monat schaue ich den vergangen Monat durch, erstelle für jedes meiner drei Kids einen unterordner mit den schönsten und besten Fotos.
    Das geht tatsächlich schneller als es sich liest 😉
    Und das wichtigste: jedes Kind bekommt zum Geburtstag ein Jahrbuch (fotobuch, online erstellt), es fängt mit dem letzten Geburtstag an und zeigt was im Jahr so war. Auf den Titel kommt ein wichtiges Ereignis, z.b. Einschulung.
    Durch den GeburtstagsRhythmus verteilt sich die Erstellung ein bisschen übers Jahr und die Kinder freuen sich unglaublich drüber! (Die älteste ist bald 15, das heißt die Idee bewährt sich schon eine weile ;-))
    Viele meiner Freundinnen haben diese Idee übernommen und sind sehr glücklich damit.
    Ja es ist viel Arbeit, aber jedes Kind hat seinen persönlichen Erinnerungsschatz im Regal stehen.
    Häufig kann ich die Kids beobachten wie sie an ruhigen Tagen eines der Bücher aus dem Regal nehmen und dann huscht ein lächeln nach dem anderen über ihre Gesichter.

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