freiwillige Werbung / Rezensionsexemplar und Interview

Ich hätte nicht gedacht, dass ein Buch mich so ins Nachdenken und Grübeln bringen würde, wie das, von dem ich heute schreibe. Ich hatte vor Kurzem die Gelegenheit das neue Buch „Jungen verstehen“* von Dr. Hans Hopf zu lesen und mir meine Meinung zu bilden. Schon der Buchtitel deklarierte für mich Jungen – und damit die Abgrenzung von Mädchen. Ich ahnte zu dem Zeitpunkt noch nicht ansatzweise, welche Wucht dieses Thema in der heutigen Zeit in sich trägt. Die ersten Seiten machten mir direkt ein mulmiges Gefühl. Jungen schneiden in Schulen nachweislich schlechter ab, neigen mehr zu Drogenkonsum und Mediensucht. Etwa 75% aller ADHS Diagnosen betreffen Jungen.

Moderne Familie oder konservativ?

Ich lebe hier mit meinen drei Kindern und Ehemann und würde uns selbst als ziemlich modern und weltoffen beschreiben. Die Kinder haben gemeinsame Spielsachen. Wir kleiden uns in allen Farben und ich habe weder ein Problem damit, wenn meine Tochter sich die Autoshirts aus dem Schrank zieht, noch damit, wenn mein Sohn sich die Fingernägel lackiert. Sie sollen sich so entfalten, wie es ihnen beliebt und doch, und das spreche ich nun ganz vorsichtig aus, bemerke ich eben Unterschiede von Jungen und Mädchen. Das fängt damit an, wenn ich sie dabei beobachte in der Art, wie sie mit Puppen spielen oder auch, wenn ich sie mit Geräten oder eher technischen Spielsachen sehe. Wir haben häufig viele Kinder zu Besuch und doch sind es meistens die Jungen, die raufen und ihre Kräfte messen möchten. Ist das also etwas dran oder ist es blanke Einbildung? Geht es hier um Wahrnehmung oder Wissen?

Warum ich das so vorsichtig sage? Ich habe in den letzten Tagen für die blanke Äußerung meiner Wahrnehmung harte Kritik geerntet und wurde in eine sehr konservative Ecke gedrängt, da ich damit Sterotypen abzeichne und das Gift sei. Bei einer Umfrage stellte sich jedoch heraus, dass viele Eltern meine Wahrnehmung teilen und so wuchsen die Fragezeichen im Kopf ins Unermessliche. Für mich war das der Anlass ein Interview mit Herrn Dr. Hans Hopf zu führen.

Dr. Hans Hopf ist Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut, seit 1995 Therapeutischer Leiter im Therapiezentrum „Osterhof“ und Verfasser mehrere  Wissenschaftlicher Veröffentlichungen mit den Schwerpunkten Aggression, Traum und spezielle Neurosenlehre bei Kindern und Jugendlichen, zudem ernannter Gutachter für ambulante tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen. Er ist tätig als Dozent und Kontrollanalytiker an den Psychoanalytischen Instituten Stuttgart, Freiburg und Würzburg. Er ist  mit dem Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft ausgezeichnet und ihm wurde die Staufermedaille des Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg für sein außergewöhnliches Engagement verliehen. Weitere Eckdaten, die dich interessieren könnten: Verheiratet, drei erwachsene Kinder. Ich habe noch ein wenig recherchiert: Dr. Hans Hopf beschäftigt sich nicht nur mit Jungen, sondern auch mit Mädchen. Deshalb habe ich ihn um ein Interview gebeten, um die Jungenthematik ein wenig näher zu beleuchten.

Jungen sind anders?!

In der heutigen Zeit gehen einige Experten und auch Eltern davon aus, dass die Unterschiede von Mädchen und Jungen (abgesehen von rein körperlichen Merkmalen) komplett anerzogen sind. Mädchen werden schon früh in die Rosa-Glitzer-Welt entführt, während Jungen mit Autos, Baufahrzeugen oder Schwertern beschenkt werden. Sind sie der Meinung, dass die Prägung und Erziehung einen Jungen erst zu einem „typischen Jungen“ macht oder bestimmte Eigenschaften (egal wie man erziehen würde) geschlechtsspezifisch sind?

„Die Entstehung von Geschlechtsunterschieden ist ein komplexes Zusammenspiel von biologischen, seelischen und sozialen Faktoren. Die Vorstellung vieler, dass Geschlechtsunterschiede nur durch Beziehung entstehen und erlernt würden, ist falsch. Jungen haben ein anderes Gehirn, das festlegt, ob mehr weibliche oder mehr männliche Substanzen und Botenstoffe produziert werden, vor allem das Testosteron. Es können aber auch Geschlechterdifferenzen vermutet werden, die weit in die Menschheitsgeschichte zurückreichen.

Darum ist Vieles was Jungen und Mädchen zeigen, auch angeboren. Ich beschäftige mich seit mehr als 50 Jahren mit Kindern und ihrem Spiel. Bei Zurückhaltung und neutraler Haltung werden Jungen eher mit Klötzen, mit Autos und technischen Dingen spielen. Das wollen sie so – und nicht darum, weil es ihnen geschenkt wird.

Natürlich können alle angeborenen Neigungen sozial ausgeformt, aber nicht gänzlich verändert werden. Aus meiner Sicht sollten sie das auch nicht: Geschlechtsunterschiede sind nur dann problematisch, wenn sie zur Diskriminierung eingesetzt werden. Doch werden Jungen in vielen Kitas und Kindergärten gezwungen, von ihrem Spielen abzulassen. Vor allem dann, wenn Jungen mit Waffen spielen wollen. Niemand wird jedoch dadurch aggressiv, denn Spielen findet in einem Fantasieraum statt, es ist nicht real sondern „als-ob“. Die Beziehung spielt allerdings bei der Entstehung von Geschlechtsunterschieden eine ganz entscheidende Rolle. Jungen sind vom ersten Tag an anders als Mädchen. Sie bewegen sich heftiger, befassen sich mehr mit unbelebten Dingen und schauen der Mutter weniger ins Gesicht. Jungen wird weniger emotionale Zuwendung entgegengebracht als Mädchen, das haben Untersuchungen bestätigt. Töchter wurden auch als ausgeglichener erlebt als Jungen und wurden mehr gefördert. Das kann entscheidende Auswirkungen auf die frühe Mutter-Sohn-Beziehungen haben. Über diese frühen Unterschiede in der Beziehung wird viel zu wenig nachgedacht!“

Im Buch ist mir aufgefallen, dass Se den Vätern eine besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen. Wieso finden Sie gerade für Jungen eine Vaterrolle essentiell und welche Funktion sollte dabei der Vater übernehmen?

Für die Entwicklung seiner Identität braucht der Junge unbedingt Männer, in der Familie, auch in den Institutionen, um sich identifizieren zu können. Der Vater fördert autonome Tendenzen des Sohnes, begrenzt aber Übergriffigkeiten. Die fehlende Möglichkeit, sich mit einem leibhaftigen Mann zu identifizieren, kann zur Glorifizierung des Abwesenden, zu Machoverhalten und zu übersteigert aggressiven Verhalten führen. In vaterlosen Gesellschaften, wie etwa Jamaica, können wir solche Probleme gesamtgesellschaftlich erkennen. Weil reale Väter fehlen, identifizieren sich die heranwachsenden jungen Männer mit einer überzogenen, grandiosen Männlichkeit. Jamaica ist mittlerweile eine Kultur mit extremen Formen männlicher Gewaltkriminalität.

Leider ist das auch bei uns zu beobachten. Söhne aus Familien, in denen der Vater fehlt, waren aggressiver und bei ihnen wurde häufiger die Diagnose ADHS gestellt. Der Vater lehrt seinen Sohn durch sein Vorbild, wie Affekte zu bewältigen sind. Ganz entscheidend ist auch die Erfahrung, wie der Vater mit der Mutter umgeht, wie er sie respektiert, achtet und liebt.

Und was macht man ohne Vater? Vergleichsweise viele Ehen werden in der heutigen Zeit geschieden. In vielen Fällen wird den Müttern die hauptsächliche Betreuung der Kinder zugesprochen. In einigen Fällen bricht der Kontakt zum Vater gänzlich ab. Die Mutter übernimmt in diesem Moment nicht selten beide Elternrollen. Ist dies aus ihrer Sicht überhaupt möglich und welchen Tipp hätten Sie für alleinerziehende Mütter ohne Kontakt zum Vater der Kinder?

Der Mann meiner Tochter ist überraschend gestorben, seither ist sie alleinerziehende Mutter dreier Kinder. Sie ist eine gut verdienende Akademikerin, aber auch sie lebt unter der ständigen Anspannung, ausreichend Geld zu verdienen und gleichzeitig die Kinder liebevoll zu versorgen. Doch denkt sie in Liebe an den verstorbenen Vater ihrer Kinder. Nach Scheidungen ist das oft anders. Es herrschen manchmal zerstörerische Auseinandersetzungen vor, Machtkämpfe um das Kind, Vorwürfe und Hass. In jenen Fällen leiden Kinder und können Probleme entwickeln. Natürlich schafft es kaum eine Frau, Mutter und Vaterrolle gleichermaßen zu bewältigen. Es gelingt dort, wo die zerstrittenen Elternteile zu einer Allianz zusammenfinden können, das Beste für die Kinder anzustreben. Kinder brauchen Kontakte zu den Vätern, das Männliche darf nicht diskriminiert werden und Söhne sollten nicht Ersatzpartner der Mutter werden. Kinder von alleinerziehenden Müttern haben viele Gelegenheiten, sich einen „Dritten“ in der erweiterten Umwelt zu suchen, Kontakte zu Großeltern Onkeln und anderen Männern der Verwandtschaft aufzubauen. Leider fehlen auch in der öffentlichen Erziehung, in Kitas, Kindergärten und Grundschulen Männer.

Ich bekomme manchmal das Gefühl, dass Jungen (vielleicht auch aufgrund traditioneller Rollenbilder) heute in der Gesellschaft mehr anstoßen. Sie gelten als wild, zappelig, ungestüm, aggressiv und nicht angepasst. Sobald man ADHS hört oder Autismus, bildet sich im Kopfe direkt die Vorstellung von einem Jungen. An was liegt das und waren früher Jungen auch schon „auffallender“ oder ist man anders mit ihnen umgegangen? Wie empfinden sie es?

Ich kann Ihnen da nur völlig Recht geben. In der Tat sind Jungen in der Regel unruhiger  und unbeherrschter als Mädchen. Bereits in Kindergärten, spätestens in der Grundschule, wird Eltern oft nahegelegt, Medikamente verordnen zu lassen. Dabei ist ADHS lediglich eine Gruppe von Symptomen, denen unterschiedliche Ursachen zugrundliegen können: Ungestillte Abhängigkeitsbedürfnisse, Bindungsstörungen, Traumatisierungen, emotional abwesende Väter und vieles mehr. Doch mit dieser Diagnose wird das Verhalten der Jungen einseitig auf biologische Ursachen zurückgeführt, über eigentliche Ursachen wird nicht mehr gesprochen. Kein Arzt käme auf die Idee, bei Bauchschmerzen immer die gleichen Ursachen anzunehmen. Doch hat sich die Diagnose ADHS auf diese Weise unaufhörlich vermehrt, von 1200 im Jahr 1992 bis zu heutigen etwa 800 000. Da Jungen, wie zuvor schon erwähnt, auch Beziehungen scheuen können und nicht selten Angst vor Nähe haben, nimmt derzeitig auch die Diagnose „Autismus-Spektrum-Störung“ zu.

Als Mutter habe ich den Eindruck, dass von Jungen etwas mehr Anpassung (Benimmregeln, häuslicher Bereich, Umgangsformen) erwartet wird in unserer Gesellschaft als von den Mädchen. Zudem habe ich vereinzelt das Gefühl, dass bereits im Kindesalter der Maßstab von ruhigen Mädchen gesetzt wird (Basteln, Schulleistungen, Anstand, Sauberkeit). Teilen Sie diese Auffassung und was könnte/müsste man ändern?

Wir leben wir in einer erregten Gesellschaft, in der ununterbrochen Reize auf alle niederprasseln. Wegen ihrer spezifischen Neigungen sind Jungen vom Computer fasziniert und können ihre grandiosen Fantasien dort ausleben. Ich muss Ihnen auch dabei Recht geben: Für mich ist es ebenfalls ein Problem, dass Jungen von Erzieherinnen und Lehrerinnen am Ideal des zurückhaltenden und ruhigen Mädchens gemessen werden. Dies führt dazu, dass Jungen beispielsweise von der Kita nicht im gleichen Maße wie Mädchen profitieren, Untersuchungen haben das weltweit nachgewiesen. Ich wünsche mir daher wieder mehr Männer in der institutionalisierten Erziehung, die dort eine väterliche Rolle repräsentieren könnten. Ich gehe davon aus, dass Unaufmerksamkeit und Unruhe messbar zurückgehen würden.

Welche Probleme begegnen Ihnen am häufigsten im Praxisalltag bei Männern im Erwachsenenalter?

Männer haben häufig Probleme mit Nähe und Beziehung. Sie können sich auch weniger gut einfühlen als Frauen. Sie rivalisieren und setzen sich oft aggressiv durch, bis hin zur Rücksichtslosigkeit. Auf diese Weise verdrängen sie Frauen, die oft zu wenig dagegensetzen. Männer können auch in der Regel Spannungen weniger gut als Frauen aushalten, die meist ein gut strukturiertes Gewissen besitzen. Denn Mutter und Tochter sind von Geburt an sehr empfänglich für den Gefühlszustand des anderen. Auf diese Weise wird bei Mädchen die Grundlage für die unübertreffliche weibliche Empathie in allen sozialen Lagen geschaffen. Wie ich am Anfang verdeutlicht habe, ist die Mutter-Sohn-Beziehung oft etwas zwiespältig.

Worauf sollten Eltern Ihrer Meinung nach bei Jungen besonderen Wert legen? Was könnten wir besser machen? Was assoziieren Sie mit „einen Jungen Junge sein lassen“ spontan? 

Ich wünsche mir, dass Jungen in der Zukunft ihre individuellen Neigungen und ihre Bewegungsfreude, vom liebevollen Blick der Mutter begleitet, leben dürfen – auch von den anerkennenden Augen ihrer Erzieherinnen und Lehrerinnen. Dass nicht missverstanden wird, wenn sie oft aktiver, lauter, risikobereiter und aggressiver sind als Mädchen und dass sie die Umwelt erforschen dürfen. Dass sie gute Beziehungserfahrungen mit der Mutter erwerben und deren Weiblichkeit als etwas Wertvolles in sich schätzen werden. Dass sie – in Anwesenheit eines einander zugewandten Paares – zu ihrer eigenen Identität finden können. Dass sie innerhalb ihrer Erziehung auf eigene und auf öffentliche präsente Väter treffen, die sie liebevoll und konsequent begrenzen werden und die ihnen Vorbild sein können, so dass sie sich entsprechend ihrer wesensmäßigen Charakterzüge zum reifen Mann entwickeln können.

Zum Schluss

Vielen Dank Herr Dr. Hopf für Ihre Antworten.

Sollte dich das Thema interessieren, kann ich dir das Buch von Dr. Hans Hopf empfehlen. Besonders positiv empfand ich am Ende des Buches seine „Kernthesen zum Verständnis des Jungen“. Dort geht er unter anderem darauf ein (mit Studiennachweisen) , dass Jungen und Mädchen von Natur aus verschiedene Vorlieben haben oder auch, dass Spielzeugwaffen nicht automatisch gewalttätig machen. Ein weiteres Thema ist, dass Erziehung gewaltfrei sein muss und auch warum ein Vater nicht wegzudenken ist.

Das Buch findest du unter: https://amzn.to/2EbuLgs* Dort findest du auch eine Leseprobe. Das Buch erschien im Verlag: Klett-Cotta.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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ommetar 0.000000e+0

  1. Carolin 20. Mai 2019 at 14:26

    Vielen, vielen Dank für das Interview!
    Als Mama von 2 Jungs kann ich das alles nur bestätigen. Mir fällt der Zugang zu den „typisch männlichen“ Verhaltensweisen immer noch schwer, mein Mann dagegen kommentiert zuweilen trocken: „Mama, wir sind doch kein Mädchen!“, wenn mal wieder die Fäuste fliegen oder auf die höchste Spitze des Baumes geklettert werden soll.
    Im Kindergarten und auch zu Beginn der Schule hatten wir immer wieder Stress, weil irgendwann irgendjemandem einfach der Kragen geplatzt ist, die Erzieherinnen und auch die Lehrerinnen, dann keinen Zugang mehr zu den Kindern gefunden haben. Die „Diagnose“ ADHS fiel in diesem Zusammenhang auch das eine oder andere Mal. Davon ist seit diesem Schuljahr nicht mehr die Rede, was vielleicht auch damit zusammenhängen mag, dass beide Jungs jetzt einen KlassenLEHRER haben. Ein Mann in dieser Rolle ist wirklich ein Segen.
    Trotzdem haben es die Jungs in unserer Gesellschaft zunehmend schwer, vor allem wenn sie an den braven, blondgezopften Mädchen gemessen werden, die gewissenhaft jede ihnen übertragene Aufgabe erledigen und insoweit für die Institutionen am wenigsten Scherereien machen.

    antworten
  2. Cailin 18. Mai 2019 at 13:09

    Danke für diese Interview. Ich denke, es ist wichtig, die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen anzunehmen und richtig auf sie zu reagieren, aber nicht künstlich zu verstärken. Und beides ist nicht immer einfach, wie ich finde…
    Viele liebe Grüße,
    Cailin

    antworten
  3. Natalie 18. Mai 2019 at 11:50

    Vielen Dank für diesen sehr wertvollen Artikel. Ich bin selbst Mutter eines inzwischen 20jährigen ‚Jungen‘. Und war zum Teil auch alleinerziehend. Für mein Empfinden wird es unseren Söhnen in der Gesellschaft erschwert sie so sein zu lassen wie sie sind. Und sofort vermeintlich störendes Verhalten aberzogen bzw. therapiert werden muss. Es gehört eine gehörige Portion Mut sowohl von Eltern als auch von anderen Erziehenden dazu das sich Kinder auch in eher geschlechter untypischen Bereichen ausprobieren dürfen. Sowohl Mädchen als auch Jungen. Wie meine Vorrednerin schon bemerkte fängt es in unseren eigenen Köpfen an.

    antworten
  4. Annette 17. Mai 2019 at 13:52

    Interessant. Ich habe auch einen Buben der allen Klischees entspricht. Aber ich bin mir dennoch nicht sicher, wie viel davon tatsächlich angeboren ist.

    Worüber ich im Interview gestolpert bin ist folgende Aussage:
    „Jungen wird weniger emotionale Zuwendung entgegengebracht als Mädchen, das haben Untersuchungen bestätigt. Töchter wurden auch als ausgeglichener erlebt als Jungen und wurden mehr gefördert. Das kann entscheidende Auswirkungen auf die frühe Mutter-Sohn-Beziehungen haben. “

    Da sind wir wieder aus dem Punkt mit Ursache und Wirkung. Bekommt das männliche Baby unbewusst weniger Aufmerksamkeit, weil es ein Junge ist und manifestiert sich daraus dann ein anderes Verhalten, dass sich im Laufe des Lebens fortsetzt? Oder sucht das männliche Baby tatsächlich weniger Nähe? Und sind Mädchen von Haus aus ruhiger oder bekommen sie von Anfang an gespiegelt, dass sie liebenswerter sind, wenn sie brav sind, während Jungs als Babies positives Feedback bekommen, wenn sie zeigen, dass sie körperlich fit sind?

    In unserer Gesellschaft gibt es Vorstellungen zu typisch männlich und weiblich. Und so agieren wir auch. Unbewusst. Nimm zum Beispiel dieses Experiment: https://www.youtube.com/watch?v=nWu44AqF0iI Die Erwachsenen haben alle das Gefühl dem Kind das Spielzeug gegeben zu haben, dass ihm am besten gefallen hat. Komischerweise gab es dann bei „Jungs“-Klamotten auch „jungs“-Spielzeug.

    Wie bei Henne und Ei. Man kann sich streiten, was zuerst da war. Und was das andere bedingt. Daher versuche ich, möglichst wenig Klischees wie Typisch Junge, Typisch Mädchen zu verwenden. Je weniger davon in unserer Gesellschaft kursieren, desto einfacher können sich Kinder so entwickeln, wie sie selbst aus sich heraus sind. Und wenn es dem klassischen Bild entspricht, ist das dann auch okay.

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    1. Elisabeth 19. Mai 2019 at 6:08

      Hallo Annette und alle anderen,
      Ich habe einen Sohn und deine Vermutung das ein männliches Baby keine emotionale Bindung am Anfang eingehen will oder es weniger duldet kann ich bestätigen. Ich habe nachts im Bett gestillt und danach wollte ich unseren Sohn zwischen mir und meinem Mann legen und noch ein bisschen mit ihm kuscheln. Da hat er immer unruhig geschlafen. Habe ich mich mit dem Rücken zu ihm gedreht war Ruhe und wir konnten alle weiter schlafen. Mit 2,5 bis 3 Jahren hat es dann angefangen das er kuscheln will und mehr meine Nähe sucht und das auch offen sagt: Mama, ich will bei dir sein/ bleiben.

      Ich bin auch deiner Meinung das sich Kinder einfach entwickeln können müssen, damit sie selber eine Persönlichkeit entwickeln können. Das versuchen wir zu Hause auch umzusetzen, was natürlich nicht immer einfach ist.

  5. Meike Gaspar 17. Mai 2019 at 13:44

    Vielen lieben Dank für dieses Interview!
    Wirklich ein spannendes Thema, in das ich mich definitiv noch weiter einlesen werde.
    Das Buch ist gleich im Warenkorb gelandet! 🙂

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