Als Mutter von drei Kindern weiß ich nur zu gut, wie groß der Wunsch nach Harmonie ist. Man blickt in die Zukunft und da ist dieser Gedanke daran, dass die Kinder sich eines Tages stützen werden, wenn wir als Eltern einst nicht mehr da sein können. Sie sitzen zusammen am Tisch, haben Spaß. Ich sehe sie sogar zusammen lachen und zeitgleich weiß ich doch, dass diese Vorstellung realistisch betrachtet Wunschträumerei ist: Geschwister müssen keine Freunde sein.

In den letzten Monaten war ich gefesselt vom Geschwisterthema. Was macht Geschwister zu Geschwistern ? Überhaupt: Können wir Eltern etwas aktiv dafür tun, dass unsere Kinder sich verstehen oder ist es reiner Zufall, ob sich die Charaktere, die gemeinsam in eine Familie geboren werden verstehen? Daraus geworden ist ein ganzes Buch und viele, viele Eindrücke und Informationen, die ich selbst erst einmal sortieren musste, denn schließlich sitze ich ja selbst im Boot, zwischen all der Verantwortung, Hoffnung und vermeintlicher Enttäuschung, wenn dann doch wieder die „Fetzen“ zwischen den Kids fliegen. Dich lade ich heute dazu ein meinen Beitrag zu lesen und dich hoffentlich ein bisschen besser zu fühlen, wenn es das nächste Mal zum Geschwisterstreit kommt.

Geschwister lieben sich bedingungslos – Welch Irrtum!

Ich habe vor einiger Zeit eine Umfrage unter meinen Lesern durchgeführt und war überrascht, wie viele Eltern den sehnlichen Wunsch danach äußern, dass sich ihre Kinder wohl bedingungslos lieben. Zugegeben ist dieser Wunsch total schön und doch weiß ich nach all meinen Recherchen, dass es mit der bedingungslosen Liebe gar nicht so einfach ist. Als Mutter (oder auch Vater) liebt man sein Kind nahezu instinktiv, schon im Bauch entsteht bei den meisten Müttern eine Verbindung zum Kind und dieses innige Gefühl, dass „egal was passieren wird“ das Kind geliebt würde. Bei Geschwistern ist das anders. Sie haben keine innige, grundsätzliche, instinktive, bedingungslose Verbindung zu ihren Geschwistern. Rein evolutionär ist sogar das ganze Gegenteil der Fall: Geschwister sind im ersten Moment Konkurrenz. In der Tierwelt kann man das zum Teil auch noch heute beobachten: Der Vogel, der die Geschwister aus dem Nest schubst, oder das Junge, dass die anderen Geschwistertiere von der Milch der Mutter weghält, um sich selbst den Vorzug zu verschaffen.

Meiner Meinung nach verachten wir viel zu sehr die Tatsache, dass sich unsere Kinder überhaupt nicht auf das Geschwisterdasein vorbereiten können. Selbst, wenn wir ihnen zur Seite stehen, Bücher lesen, sie zu Baby-Geschwisterkursen begleiten, so ist das Leben und die Folgen davon, nun ein echtes Geschwisterchen zu haben eine ganz eigene Herausforderung für die zuvor Geborenen. Das Schlimmste, was wir wohl dann erwarten können ist: Liebe das Baby bitte und zwar bedingungslos. War nicht das Baby der Grund, warum Mama ständig stillt, die Eltern weniger Zeit habe, nun alle aufgescheucht um das schreiende Ding herumkreiseln und man selbst sich gerade ganz komisch fühlt?

Die Wahrheit ist – Freunde zu sein und zeitgleich Geschwister ist gar nicht so einfach

Im Zusammenleben von Geschwistern treffen positive wie negative ständig im Wechsel aufeinander. Man kann sich diese Mischung wie einen Cocktail aus Gefühlen vorstellen: Liebe, Zuneigung, Eifersucht, Gemeinsamkeiten, Missgunst, Neid, Rivalität, Bewunderung. All das trifft aufeinander. Geschwister suchen Gleichwertigkeit und dann doch die deutliche Abgrenzung, um sicherzugehen, dass sie ein Alleinstellungsmerkmal haben, dass sie bei Eltern und ihrem Umfeld „attraktiv“ macht. Egal wie sehr wir uns auch anstrengen, so können wir weder mit Altersabständen, noch mit Hobbys oder „Gleichbehandlung“ garantieren, dass sie unsere Kinder wirklich leiden können.

In meinen Untersuchungen zeigte sich vielmehr, dass sich bei den heutigen Erwachsenen unterschiedlichste Geschwisterverhältnisse vorfinden: Geschwister, die sich absolut mögen und einen Großteil ihres Lebens teilen, Funkstille zwischen Geschwistern, eine Art „Egal-Stimmung“ bzw. Gleichgültigkeit gegenüber Geschwistern, einseitige Beziehungen bis hin zu richtigen Missgunstverhältnissen mit Streitigkeiten. Sogar in der Geschichte werden wir mit sehr positiven wie negativen Geschwisterverhältnissen konfrontiert,  nicht zuletzt sogar in der Bibel und vielleicht zeigt uns das die Präsenz dieser Thematik umso besser.

Sind wir also völlig machtlos?

Nach diesen ernüchternden Zeilen könnte man zu der Erkenntnis kommen, dass es damit ein reiner Zufall ist, ob aus Kindern sich liebende Geschwisterkinder werden. Tatsächlich ist es so, dass der Zufall dabei eine größere Rolle spielt, nämlich der, welche Charakter zusammen spielen und welche Erfahrungen gesammelt werden. Vielleicht ist die Frage aber gar nicht, ob wir etwas tun können, damit unsere Kinder Freunde werden, sondern vielmehr der, wie wir es schaffen ein faires Familienleben zu etablieren und ein Geschwisterverhältnis zu unterstützen, dass von gegenseitiger Rücksichtnahme und Akzeptanz geprägt ist. Hier sind wir alles andere als machtlos und erhalten mit unserem Vorleben und umsichtigen Agieren einen ganzen Koffer voller Möglichkeiten.

Ich finde die blöd, aber ich will den Eltern gefallen.

Der erste Schritt ist bereits damit getan, sich einzugestehen, dass dieser irrsinnig starke Wunsch nach sich liebenden Geschwistern von uns als Eltern stammt und oftmals nicht von den Kindern selbst. Begegnet man der nächsten Konfrontation, dann nicht mehr mit dem „Ich will sofort Harmonie Gedanken“, sondern im Modus „Ja, und ihr dürft euch verdammt nochmal auch einmal streiten und blöd finden“, dann nehmen wir unseren Kindern nicht nur einen unheimlichen Druck von ihren Schultern, sondern geben ihnen damit eine Wahlmöglichkeit. Sie müssen nun nicht mehr den Bruder oder die Schwester toll finden und womöglich gegen ihre eigenen inneren Gefühle ankämpfen, um den Eltern zu gefallen. Sie können ehrlich sein und bekommen zeitgleich ein wichtiges Geschenk: Die Sicherheit, dass sie auch mit negativen Gefühlen genauso geliebt werden.

In meinem Buch „Ziemlich beste Geschwister“ habe ich alle erdenklichen Informationen zusammengefasst und wissenschaftliche Erkenntnisse einfließen lassen, wie wir Eltern es schaffen können aus unseren Kindern „ziemlich beste Geschwister“ zu machen, wobei das „aus ihnen machen“ auch nicht ganz korrekt ist. Es ist vielmehr die Art, wie wir kritischen Situationen und auftretenden Problematiken begegnen und genau deshalb habe ich ein ganzes Buch darüber geschrieben.

Ich freue mich, dir HIER eine Leseprobe meines Buches veröffentlichen zu dürfen und ein ultravollgepacktes Inhaltsverzeichnis: Ziemlich beste Geschwister Leseprobe

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Und nun interessiert mich: Wie ist es mit deinen Geschwistern? Kontakt oder eher schlechtes Verhältnis? An was denkst du, liegt es?

Es grüßt euch lieb Sabrina

2 Kommentare

  1. Gina 19. Februar 2020 at 19:36

    Liebe Sabrina,
    Auf deinen Beitrag muss ich einfach ein paar Zeilen da lassen…Ich selbst bin die zweitgeborene von insgesamt 4 Kindern.Zu meinen beiden Brüdern hatte ich in Kindheitstagen bereits eine enge Verbindung,wir sind durch viel Freude und noch mehr Leid zusammen gegangen.Meine Schwester wurde mit einem großen Altersunterschied als Nesthäckchen geboren.Ich musste schon früh Verantwortung für sie übernehmen und hatte sie überall im Schlepptau.In der Kindheit hatten wir ein sehr schlechtes Verhältnis,welche durch Eifersucht geprägt war.Jetzt sind wir alle Erwachsen. Den Kontakt zu unseren Eltern hat keiner von uns viern mehr.Aber wir sind zu einer Einheit geworden:haben mit den Jahren eigene Traditionen entwickelt und sind „Eine Familie „.Ich bin so dankbar,diese drei Menschen an meiner Seite zu haben und mit ihnen zusammen alt werden zu können…

    Liebe Grüße Gina

    antworten
    1. Sabrina 20. Februar 2020 at 13:30

      Das hört sich wundervoll an, auch dass ihr den Weg gefunden habt. Diese Erfahrung, dass die Geschwister sich einen, aber dann dafür der Kontakt zu den Eltern eher abflaut, teilen einige Menschen, die ich interviewt habe.

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