Wir haben lange überlegt und es nun endlich getan und uns eigene Hühner gekauft. Anfangs waren wir etwas skeptisch, denn bei all den Vorteilen, die eigene Hühner mit sich bringen, ist der pflegerische Aufwand nicht zu unterschätzen. Neben Stalltür abends schließen, muss das Huhn auch regelmäßig gefüttert und der Stall gereinigt werden. Eine große Frage stellt sich auch in Sachen Urlaubsreisen, denn es ist nicht die praktikabelste Lösung Hühner in eine Kiste zu packen und zur Urlaubsvertretung zu fahren.

Vielleicht liest du diesen Beitrag auch gerade und überlegst, ob Hühner zu dir bzw. euch passen würden und kämpfst mit den gleichen Unsicherheiten wie ich damals. Ich möchte deshalb meine Erfahrungen mit dir teilen und auch in diesen Beitrag näher darauf eingehen, was es für ein Huhn braucht oder besser gesagt: Was das Huhn braucht.

Was braucht man für Hühner?

Hühner sind sicher nicht die Tiere, die am aufwendigsten zu halten sind, aber es ist auch nicht so, dass sie „Selbstläufer“ sind. Das Wichtigste ist in meinen Augen neben dem Futter der Stall und dieser sollte definitiv einbruchssicher sein, denn Füchse, Marder, Waschbären oder auch zum Teil Greifvögel haben absolut nichts gegen einen leckeren Hühnersnack. Besonders schlimm finde ich die Tatsache, dass einige Eindringlinge nicht nur ein Huhn töten (was schlimm genug ist), sondern den kompletten Stamm geradezu nieder metzeln. Wir haben daher die Lösung in einer automatischen Hühnerklappe gefunden, die sich auch mit Kraft nicht einfach von unten aufdrücken lässt. Auch wenn das uns den Gang morgens und abends zum Hühnerstall erspart, so kontrolliere ich dennoch jeden Abend, ob sie auch sicher schließt und alle Hühner im Stall sitzen. Die Uhrzeiten müssen bei diesen automatischen Klappen natürlich über den Jahresverlauf auch immer wieder angepasst werden. Unsere automatische Klappe hat mein Mann selbst gebaut und über eine integrierte Zeitschaltuhr gekoppelt. Falls du auf der Suche nach so etwas bist, musst du nicht unbedingt selbst bauen. Im Netz werden mittlerweile eine Reihe bezahlbare automatische Klappen* angeboten und ich schwöre: diese Anschaffung lohnt sich.

Ich möchte hier kurz meine MUST-HAVES für Hühner auflisten

Der Hühnerstall – So sollte der Hühnerstall aussehen

Wie du vielleicht gemerkt hast, habe ich keinen Fertigstall aufgelistet. Das liegt daran, dass diese Teile für die meisten Hühner schlicht viel zu klein sind und ich die Enttäuschung gerne vermeiden möchte. Wir haben ein altes Gartenhaus auf dem Grundstück und wie du oben auf dem Foto siehst ein Ikearegal einfach umfunktioniert, alte Weinkistenmit Stroh gefüllt, eine Strickleiter angebracht und eine Leiter gebaut. Auf der anderen Seite des Stalls steht ein alter Korbliegesessel als Nist- und Sitzplatz. Unter der Stange befindet sich eine Pappe, weil die Hühner gerne darauf sitzen und ihr Geschäft verrichten und wir den Stall so schneller reinigen können. Einmal pro Woche muss er gereinigt und das Einstreu erneuert werden. Täglich kehre ich fix einmal durch. Wie du siehst, ist bei uns alles recht niedrig gehalten. Das liegt daran, dass wir unter anderem Chabos halten. Diese Rasse sind sozusagen Minihühner und werden nicht sehr groß. Durch ihre verkürzten Beine steigen sie auch nicht so hoch, wie ein gewöhnliches Haushuhn.

Zur Reinigung im Stall sollte übrigens auch eine regelmäßige Milbenkontrolle kommen. Diese ungeliebten Tierchen machen Hühnern nämlich wirklich zu schaffen und setzen sich gerne in Ritzen im Stall.

Hühner füttern – zwischen ernähren und Leckereien

Hühner sind Allesfresser und in Sachen Ernährung recht flexibel. Dennoch bin ich der Meinung, das sein Huhn nicht als Abfalleimer für die Lebensmittelreste dienen sollte. Wir geben durchaus auch Essensreste, aber achten darauf, dass diese verträglich sind für Hühner. Stark gewürzte Speisen, Schokolade, unzählige Brötchen, die alte Hähnchenkeule oder die Frischmilch haben nichts im Hühnerstall verloren. Genauso verzichte ich darauf ihnen Bananenschalen in den Napf zu legen oder Ananasreste. Wer einen Kompost hat und die Möglichkeit den Hühner dort Zugang zu bieten, kann sich sicher sein, dass sich die Racker dort schon zusammen suchen, was sie gerne möchten.

Ansonsten biete ich ständig eine Körnermischung an (oben verlinkt), Muschelkalk für die Verdauung (ebenfalls oben verlinkt) sowie etwas Legefutter vor allem für die Hühner, die aus eine Legehaltung stammen, um deren Bedarf zu decken. Ein besonderer Leckerbissen für Hühner sind Kräuter und Mehlwürmer. Mehlwürmer scheinen eine Art „Gier“ bei Geflügeln zu erzeugen und sind perfekt um scheue Hühner etwas an den Mensch zu gewöhnen. Trotzdem sollte man diese aufgrund des hohen Eiweißgehalts nur in Maßen füttern. Zum Schluss für mich absolut unverzichtbar: Gras. Hühner lieben es Gras zu picken und ernähren sich anteilig davon. Sie genießen bei uns deshalb großen Auslauf mit ständigen Grünflächen. Wer dies seinen Hühnern nicht bieten kann, kann mit Rasenschnitt oder auch Kresse- oder Getreidesaaten eine willkommene Abhilfe schaffen.

Platzbedarf für Hühner und wie viele überhaupt?

Wie du dem Text vielleicht schon entnehmen konntest, merkst du, dass Hühner durchaus Platz brauchen. Je nach Rasse und Anspruch unterscheidet sich der Bedarf natürlich. Meine kleinen Chabos sind meist nur in der Nähe des Stalls unterwegs und wären sicher auch mit deutlich weniger Platz zufrieden, als ihnen offen steht. Größere Hühnerrassen können lauffreudiger sein. Pro Huhn werden ca 10 m² empfohlen, was schon einer recht ordentlichen Fläche entspricht. Es ist also auf keinen Fall etwas für den Balkon oder den Meerschweinchenauslauf, weshalb ich nochmals betonen möchte, dass die meisten als „Hühnerstall mit Auslauf“ angebotenen Gehege nicht ausreichend sind.

Für ein Huhn muss meiner Meinung nach also ein Stück Garten bereitstehen und man muss es ggf. verkraften können, dass diese Fläche nicht für die schönsten Stauden nutzbar ist. Hühner scharren. Einige mehr, die anderen weniger, aber Fakt ist, dass sie – je kleiner die Fläche ist, den Rasen wirksam zerscharren und schlussendlich vernichten werden, wenn man nicht entsprechende Vorkehrungen trifft. Für uns war daher klar, ihnen möglichst viel Fläche zu bieten, um den Rasen damit erhalten zu können. Als Richtmaß kann man wohl sagen, dass der Auslauf größer sein sollte als der Stall, wo die Hühner schlussendlich schlafen.

Zur Anzahl der Hühner gibt es wohl sehr unterschiedliche Meinungen. Ein Huhn allein ist absolut ungeeignet, da die Tiere in der Gruppe leben und sehr sozial sind. Wer einen Hahn halten möchte (auch da gehen die Meinungen auseinander, ob es den braucht oder nicht), sollte meiner Meinung nach mindestens 3-5 Hennen halten. Ich finde Hühner sind mit Hahn komplett anders in ihrem Verhalten und ich beobachte immer wieder glücklich, wie dieser sich um seine Hennen sorgt und ihnen Futter zeigt und auf sie aufpasst. Für mich gehört er also dazu.

Wichtig – das sollte man bei Hühnern nicht vergessen

Was vielleicht vielen im Moment nicht klar scheint, ist die Tatsache, dass Hühner in den meisten Bundesländern der Tierseuchenkasse gemeldet werden müssen und das schon ab dem 1. Huhn. Darüber hinaus besteht eine Impfpflicht für Hühnern, die jährlich wiederholt werden muss. Bei sehr wenigen Hühnern schlagen natürlich die eventuellen Anfahrtskosten für Tierarzt mehr zu Buche, als bei einer Schluckimpfung für 15 oder mehr Hühner.

Mir liegt noch etwas am Herzen. Es gibt die verschiedensten Möglichkeiten, um an Hühner zu kommen: Bauern, Kleinanzeigen, Geflügelmärkte, Züchter oder oder oder. Eine Aktion möchte ich besonders heraus heben: Rettet das Huhn. Ich weiß nicht, ob du schon davon gehört hast, aber hier haben sich Menschen zusammen getan, um Hennen aus Legebetrieben nach der sogenannten Ausstallung noch ein schönes Restleben zu ermöglichen. Ich denke mir, wenn jeder von uns nur 2 solcher Hennen ein schönes Leben schenken kann, ist schon viel geschafft und habe mich deshalb aktiv als Aufnahmestelle für die Herbsttour gemeldet. Sie brauchen immer wieder, liebe, hilfsbereite Menschen, die diesen Hühnern ein zu Hause schenken wollen. Die Anmeldung dafür läuft online und über ganz Deutschland verbreitet gibt es inzwischen Verteilerstellen.

Mein Fazit

  • Hühner sind tolle Tiere und jedes für sich ist anders und hat einen eigenen Charakter.
  • Hühner haben es verdient so schön wie möglich zu leben, wenn wir ihre Eier nutzen.
  • allein das Gefühl damit keine Massentierhaltung zu unterstützen ist unbezahlbar.
  • Hühner sind im Vergleich zu anderen Tieren pflegeleicht.
  • Kinder können gut in die Pflege der Tiere eingebunden werden.
  • Auch wenn es sich um Federtier handelt, sind Hühner gesellig, oftmals sogar kuschelig und bauen Bindungen zu Personen auf.
  • Die Kosten für Hühner sind überschaubar und stehen für mich total im Verhältnis zum Nutzen.
  • Hühner sind ungemein beruhigend und es erdet sie zu beobachten.
  • Hühner brauchen ein sicheres zu Hause mit ausreichend Auslaufmöglichkeiten.
  • Hühner sind meiner Meinung kein Nutztier im Sinne von „Abfälle füttern“ und dafür Eier nehmen.

Es grüßt dich die hühnerverliebte Sabrina

 

 

 

4 Kommentare

  1. Silke Seidler 3. August 2020 at 11:33

    Stroh ist nicht zu empfehlen auf Grund der hohlen Halme in denen sich die Milben prima einnisten können!
    Wir benutzt Einstreu plus (Dinkelspelze mit Kieselgur) und Hanfstreu mit Eykalyptus für die Nester.
    Die Auflagen der Sitzstangen werden wöchentlich nochmal mit Kieselgur bestreut und die Stangen mit Ballistol eingesprüht.
    Als Staubbad gibt es Cumbasil oder Hüfisan.
    Im Futter (Schkade VoMiGo Legepellets) ist ein Zusatz, der das Blut der Hühner für die Milben unattraktiv macht. Dadurch haben wir noch nie Milben gehabt.
    Die Newcastle Impfung ist, nur dann jährlich, wenn sie beim Tierarzt mit der Spritze gegeben wird, ansonsten muß sie alle drei Monate über das Trinkwasser der Hühner verabreicht werden.
    Die Impfung ist in Deutschland Pflicht!
    Bei Küken ist zusätzlich noch Marek und Kokzidiose als Impfung zu empfehlen, zweiteres, da das Cocci Futter keine Impfung enthält, sondern nur ein Medikament gegen die Erkrankung, welches dann allerdings Resistenzen fördert.
    Die Kaufställe sind tatsächlich a zu klein (was für bis zu 6 Hühner empfohlen wird, reicht für maximal 3 Hühner) und zudem aus so dünnem Holz, dass ein Marder dies ziemlich schnell durchgebissen bekommt.

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    1. Sabrina 3. August 2020 at 21:43

      Huhu, danke für die vielen Tipps Tipps. Kurze Ergänzung: Wir haben mit Stroh seit 20 Jahren in den Nestern keine schlechte Erfahrung gemacht. Ich benutze Ballistol und Kieselgur vorbeugend. Es gibt unterschiedliches AntiMilben Futter, jedoch möchte nicht jeder Legefutter verabreichen. New Castle muss sogar alle 6 Wochen teilweise verabreicht werden als Schluckimpfung (siehe diverse Internetquellen und Tierseuchenkasse).

  2. Christiane 27. Juni 2020 at 18:42

    Ha, wir haben auch ein Ikea Regal, bzw. eine Schublade als Legenest umfunktioniert. Dafür sind die ausrangierten Möbel perfekt. Unsere Hühner haben 140qm die sie ihr Eigen nennen und lieben ihren Auslauf. Wir haben übrigens auch mit Legehybriden aus einer Ausstallungaktiona angefangen, muss aber sagen, dass es besser ist, solch Hühner aufzunehmen, wenn man schon etwas Erfahrung hat. Sie kommen doch jede mit ihren eigenen „Päckchen“ an. Das war gar nicht so einfach. Ein Huhn haben wir tatsächlich in den ersten 24h verloren… weil es sich mit Sand vollgefressen hat (statt darin zu baden). Ein anderes war eine Kannibalin, das dritte legt keine Eier (aber kräht dafür ^^;) , Nummer 4 humpelte nur weil irgendwann mal wohl ihre Knochen gebrochen waren und im Riesenstall niemand darauf geachtet hat. Nummero 5 war relativ normal, stand nur super gerne im Regen :). Trotz aller Widrigkeiten, liebe ich jedes einzelne gerette Huhn. Aber die ersten Wochen waren einfach nicht ohne. Die letzten Jahre sind dann nur noch Rassehühner dazu gekommen. Achja, einen Punkt hast du Vergessen im Text :D. Hühner machen süchtig. Man fängt nur mit einer Handvoll an und schnell werden es mehr und mehr ^^: Das ist schlimmer als mit Handtatschen oder Schuhen *lach*.

    Liebe Grüße von Christiane und ihre Hühnerbande

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  3. rex 11. Mai 2020 at 12:31

    Hallo,
    Genau das hatte ich mir gesucht.
    Faszinierende Bilder.

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