Ich habe lange Zeit einen Bogen um Nähstücke mit Reißverschlüssen gemacht, bis ich merkte, dass das gar nicht so schwer ist, wie von mir angenommen. Die nächste Hürde waren Knopflöcher. Mich graute es davor, weil ich Angst hatte, dass es krumm und schief werden würde. Das war ein totaler Irrtum. Knopflöcher zu nähen, empfinde ich sogar leichter als einen Reißverschluss einzusetzen. Inzwischen habe ich mit verschiedenen Nähnmaschinen Knopflöcher eingenäht – mit Automatik und auch ohne Automatik – und dachte es wäre an der Zeit für eine Anleitung zum Knopfloch einnähen.

benötigte Materialien:

Zum Annähen von Knopflöchern empfehle ich dir:

Knopflochmodus der Maschine

Eigentlich jede Freiarm-Haushalts-Nähmaschine, die ich kenne, bringt eine Einstellung zum Nähen von Knopflöchern mit. Auf dem Foto unten siehst du zum Beispiel eine W6, die vollkommen analog bedient wird. Am ersten Rädchen erkennst du rechts neben dem „A“ 3 Symbole, die jeweils zum Nähen der Knopflöcher eingestellt werden. Man spricht dabei auch von der 4-Stufen-Knopflochautomatik, da du den Stoff während des Nähens unter der Maschine belassen kannst und quasi nur „umschalten“ musst.Nähmaschine W6

Bei meiner derzeitigen, digitalen Maschine Pfaff Performance 5.0 sieht das etwas anders aus. Die Maschine geht jedoch vollkommen gleich vor. Einziger Unterschied: Ich habe hier die Möglichkeit der Knopflochautomatik. Das bedeutet: Die Maschine näht nach meinen Vorgaben das Knopfloch vollkommen im Alleingang (1 Stufen Automatik). Zugegeben hatte ich davor Respekt, aber nach dem ersten Probestoffstück war ich begeistert.

BILD

Zu beachten ist: Es gibt verschiedenste Knopfarten. Die meisten Maschinen sind grundlegend für Standardknöpfe ausgelegt (welche auch häufigsten zum Einsatz kommen).

Wie groß muss das Knopfloch werden?

Das ist eigentlich der wichtigste Schritt beim Knopfloch einnähen. Maßgeblich für die Größe deines Knopflochs ist die Größe des Knopfes, den du ausgewählt hast. Dazu messe ich den Knopf einmal der Länge nach ab und addiere zur Sicherheit 2-3 mm hinzu, damit er später auch gut durchs Knopfloch passt.

Auch noch wichtig:

Wenn du mehrere Knöpfe annähst, empfehle ich dir vorab zu ermitteln, wie der perfekte Abstand und auch die perfekte Knopfanzahl aussehen könnte.

Jetzt kommt der entscheidende Unterschied zwischen Knopflochautomatik und Standardfuß zum Knopflöcher annähen.

OHNE Knopflochautomatik

So oder so ähnlich sieht der Knopflochfuß standardmäßig OHNE Automatik aus. Du hast die Möglichkeit deinen Knopf in den Nähfuß einzulegen und damit den Nähfußabstand zu ermitteln. Die Nähmaschine näht zuerst nach vorne, daher muss der Knopf in dem Fall vorne eingelegt werden. Bevor du aber nun auf dem Stoff loslegst, empfehle ich ein bisschen Vliesline oder Ähnliches zur Verstärkung auf die linke Stoffseite aufzubringen. Markiere dir nun auf die rechte Seite des Stoffs deine Knopflänge. Ich empfehle hierfür gerne Trickmarker, da sich diese mit Wasser rückstandlos entfernen lassen. Die kannst du deinem Nähfuß nun entnehmen (rote Makierungen) oder deinen Knopf ausmessen plus ca. 2-3 mm.

Jetzt wird der Knopfnähfuß in der Maschine eingelegt (hier W6 im Bild). Der rote Pfeil hilft dir zur Orientierung. Lege deinen Stoff mit der Makierung UNTER deinen Nähfuß. Das obere Ende der Markierung sollte auf Pfeilhöhe liegen. Senke den Nähfuß, nur so kann nichts mehr verrutschen.

Stelle die Nadel so ein, dass sie sich an oberster Position befindet und drehe das Rädchen auf die erste Knopflochstufe. Es wird die linke Seite des Knopfloches genäht. Anschließend hebst du die Nadel wieder an oberste Position, das Nähßüßchen bleibt unten und wechselt auf die 2. Es wird der vordere Querbalken genäht. Nadel wieder nach oben und auf die 3. Das ist die rechte Seite des Knopfloches. Nun ein letztes Mal wieder zurück auf die 2 und den letzten Querverschluss nähen. Die meisten Nähfüße stoppen entsprechend ihrer Einstellungen automatisch. Die Breite deines Knopfloches wirkt auf den ersten Blick etwas wenig, ist aber perfekt, wenn du gerade so mit Nahtauftrenner oder filigraner Schere aufschneiden kannst.

 

Automatik 1-Stufen-Knopfloch annähen:

Mit der Knopflochautomatik ist das alles ein wenig anders. Bis zu einem Durchmesser von 50 mm kann man mit einem Senormatic Nähfuß (dieser ist via Kabel mit der Maschine verbunden) die Knopflöcher vollautomatisch nähen (lassen). Meine Nähmaschine (Pfaff Performance 5,0) näht dabei beide Seiten des Knopfloches in die gleiche Richtung, um ein exaktes Ergebnis zu erhalten.

Ich setze also den Nähfuß an und verbinde via Kabel den Fuß mit der Maschine. Nun messe ich meine Knopflänge aus und wähle im Programm Knopfloch. Über das Display stelle ich die Länge des Knopfes ein (unten auf dem Foto mittig). Neben der Länge des Knopflochs kann man auch die Breite oder Stichweite variieren.

Wie auch bei der manuellen Variante, zeichne ich mir zuvor an, wo der Knopf später sitzen soll. Ich lege meinen Stoff unter die Maschine und senke den Nähfuß. Ich stelle den Regler ganz nach vorne. Durch meine Einstellungen weiß das Gerät, wie viele cm lang das Knopfloch werden soll.

Ein Tritt auf das Fußpedal genügt und meine Maschine näht das Knopfloch vollkommen selbständig.

Abschlussarbeiten

Zum Schluss trenne ich mit einer kleinen spitzen Schere oder einem Nahtauftrenner noch die Knopflöcher vorsichtig auf.

Mit dem Trickmarker markiere ich mir anschließend, wo die Knöpfe später sitzen sollen und nähe diese daraufhin händisch an.

Fertig ist die Jacke <3

Details zur Jacke

Diese ist übrigens aus unserem New Basic Rocker entstanden. Ich habe das Vorderteil einfach um 3 cm verbreitert (am Bruch) und dann zugeschnitten. Die Bruchseite wird aufgetrennt.

Außen habe ich wunderschönen Wollwalk* verwendet und innen den traumhaften Blätterstoff von Alles für Selbermacher*. Die passende Hose stammt aus unserem Babyrockers Babyset.

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