Kennst du schon mein neuestes Nähhobby? Nein? Dann Augen ausgewischt und aufgepasst, denn seit einigen Wochen bin ich dem Nähmalen verfallen und da viele von unseren Lesern bereits Interesse zeigten, habe ich heute einen gigantischen „Alles was du über das Nähmalen wissen musst Beitrag“ vorbereitet.

Vorab möchte ich zugeben, dass ich selbst sicher kein Vollprofi in Sachen Nähmalen bin und auch ich noch weiter übe und lerne, trotzdem sind die Materialien und die Vorgehensweise beim Nähmalen immer gleich, sodass ich dir gerne meine Erfahrungen hier präsentiere. Über weitere Tipps und Kiffels bin ich natürlich dankbar.

Anleitung Tutorial Nähmalen für Anfänger

 

Nähmalen – Was ist das überhaupt?

Bevor ich zu den Maschineneinstellungen komme und den benötigten Materialien möchte ich kurz erklären, was Nähmalen überhaupt ist. Der Begriff hat sich wohl so eingebürgert, weil man mit der Nähmaschine „malt“. Im Netz findet man ihn jedoch auch unter Freihandsticken oder Sticken mit der Nähmaschine. Das beschreibt eigentlich besser, was man da tut: Man nutzt die Nähmaschine, um Bilder oder Texte in den Stoff zu sticken. Natürlich kann man das auch ganz professionell mit einer Stickmaschine betreiben, aber es macht einfach riesen Spaß und kostet weniger Geld, wenn man dafür die herkömmliche Haushaltsnähmaschine nutzt. Zudem kann man so einfach seine eigene Handschrift verpassen – von akkurat, über niedlich, bis hin zu verschnörkelt oder zeichnungsähnlich. Es ist schon ein wenig so, als würde man den Stift in der Hand auf dem Papier bewegen, nur im umgekehrten Sinne: Der Stift bewegt sich nicht, aber das Papier – ja, so kann man sich das Nähmalen vorstellen.

Übrigens kombinieren die meisten Näher/innen das Nähmalen mit dem Applizieren (so wie ich in meinem Beispiel) und puzzlen sozusagen sich die Farben zusammen und malen dann ein Bild daraus. Das Ausmalen geschieht somit also durch Stoffeinsätze. Wer jetzt schon total überfordert ist, sollte vielleicht nochmals unseren Beitrag zum Applizieren lesen und dann hier wieder rüber klicken…

Was man zum Nähmalen braucht…

Nun könnte man eigentlich direkt starten oder? Nicht ganz, denn um richtig mit der Nähmaschine sticken zu können benötigt es ein paar Materialien und vor allem ein paar grundlegende Maschineneinstellungen.

Auf dem unten stehenden Bild findest du die Materialien. Durch das Fahren mit dem Mauszeiger über entsprechende Punkte, gelangst du zu den Produkten. (Trackinglinks zu Amazon und Alles für Selbermacher)

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Stoffe von Alles für Selbermacher

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Stecknadeln mit Herzkopf

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Markierstift

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Nice to have, aber keine Pflicht:

  • Trickmarker *(ermöglicht das Vorzeichnen von Linien und anschließendes restloses Entfernen dieser)
  • Stickrahmen* (erleichtert die Arbeit ungemein)
  • Webband* (dient zu Dekorationszwecken)
  • Freihandnähfuß* bzw. Stopffuß, falls du diesen erwerben kannst oder dieser nicht bereits vorhanden ist, bei unserer Pfaff liegt er direkt dabei.
  • Pinzette* (als Hilfswerkzeug)
  • Klebestift* (damit kann man ebenfalls die zu applizierenden Stoffstücken auf den Stoff fixieren (ich nehme aber lieber Bügelvlies)

Must have, absolut notwendig:

  • Vorlage deines Motives (selbst gezeichnet oder entsprechende Vorlage aus dem Netz), evtl dann auch Stift und Papier
  • Schere (Stoffschere* und kleine Schere, um überstehende Ränder und Fäden zu entfernen)
  • passend farbiges Nähgarn (gerne wird hier schwarz bevorzugt)
  • beidseitig haftendes Bügelvlies
  • Stickvlies*, alternativ Backpapier oder Küchenrolle
  • Stift zum Markieren
  • Grundstoff (es eignen sich nahezu alle Stoffe, für den Anfang ist Jersey oder Baumwolle oder auch Sweat die beste Wahl)
  • Nähmaschine mit der Möglichkeit den Nähfuß zu versenken (erkläre ich gleich noch genauer)

Wie geht Nähmalen?

Es liegt an dir, wie du dein Nähmalprojekt umsetzen möchtest. Du kannst wie ich dein Werk mit Applikationen „kombinieren“ oder du machst es so, dass du dein Motiv auf Stickvlies vorzeichnest und zunächst die Konturen arbeitest und dann mit dem Zickzackstich ausmalst. Auf diese Methode möchte ich heute erst einmal NICHT eingehen, da das Ausmalen zusätzliche Übung erfordert und für den Einstieg das Arbeiten mit Applikationen in Kombination mit dem Nähmalen wesentlich einfacher ist…

Du solltest wissen, dass dein Stoff durch den versenkten Transporteur nicht den gewohnten Halt hat und nach hinten „geschoben“ wird, aber genau das ist ja auch Sinn und Zweck der Sache, denn so kannst du dein Motiv in jede erdenkliche Richtung frei bewegen. Man gewöhnt sich auch ziemlich schnell daran, dass sich der Stoff freier bewegt und man selbst „bestimmt wie lang der Stich ist“.

Die Nähmaschine einstellen

Wenn ihr eine Pfaff Performance 5.0 habt, dann könnt ihr euch freuen, denn im Set liegt direkt der Nähmaschinenfuß bei, der sich wunderbar für das Freihandsticken eignet. Zudem bietet die Performance dafür auch ein entsprechendes Programm. Der Sensormatic Freihandfuß ist klein, unauffällig und transparent, sodass man wunderbar damit Sticken kann.

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Ebenso, kann ich an der Nähmaschine entsprechende Einstellungen vornehmen, damit sich der Transporteur versenkt und ich auf verschiedene Freihandstickfunktionen umstellen kann…

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Geht das mit jeder beliebigen Nähmaschine?

Diese Frage würde ich mit Jaein beantworten. Es sollte auf jeden Fall möglich sein den Transporteur zu versenken, abzudecken oder irgendwie anders „außer Gefecht zu setzen“ und ebenso auch ohne Nähfuß zu nähen, sofern man keinen Stopffuß oder Ähnliches erwerben kann.

Umbau und Einstellung bei einer „normalen“ Nähmaschine

Hier kann ich anhand der W6 1235/61 erklären, wie man den Transporteur versenkt und dementsprechend die Maschine für das Sticken vorbereitet. Zunächst musst du dafür deinen Nähfuß inkl. sämtlicher Fußhalter abnehmen. Deine Maschine hat nun einfach nur noch einen Kolben, indem die Nadel befestigt ist. Je nach Nähmaschine wird nun der Transporteur versenkt oder abgedeckt, bei der W6 Nähmaschine findest du eine ausführliche Anleitung im beiliegenden Bedienungsheft. Dies sollte bei jeder Nähmaschine in der Regel erläutert sein, sofern ein Abdecken oder Versenken des Transporteurs möglich ist.

Bringe der Anleitung entsprechend die Abdeckung auf. Solltest du keine W6 1235/61 haben, so kann es genauso gut sein, dass sich an der Maschine ein Hebel oder Schalter zum versenken des Transporteurs befindet. Ebenso gibt es ältere Modelle, die bei der Stichlängeneinstellung am Rädchen die Versenkfunktion untergebracht haben.freihandsticken-naehmaschine-einstellungen

Wähle folgende Einstellungen an deiner Nähmaschine (wie gesagt macht das unsere Pfaff automatisch)

Einstellungen der Nähmaschine

– Stichlänge: 0 (es ist aber eigentlich egal, da der Transporteur ohnehin versenkt ist und du selbst bestimmst, wie lang der Stich wird)

– Stichart: Geradstich

– Fadenspannung: mittlere Stufe

– Nähfußdruck: mittlere Stufe

Der Nähfuß muss anschließend gesenkt werden, wie beim „normalen Nähen“ auch, also nicht vergessen den Hebel wieder nach unten zu drücken, sonst verknotet sich alles.

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nochmals die Checkliste:

  1. Transporteur versenkt, abgedeckt ?
  2. Nähfuß abgebaut oder entsprechenden anderen Nähfuß (falls vorhanden) angebracht?
  3. Fadenspannung auf mittlere Stufe?
  4. Nähfußdruck auf mittlere Stufe (sofern Einstellung möglich)?
  5. einfacher Geradstich gewählt?
  6. vor dem ersten Projekt auf Stoffrest probiert, welche Geschwindigkeit und Arbeitsweise am angenehmsten ist?

Wir nähmalen – das Freihandsticken inkl. Vorbereitungen

Kommen wir ans Eingemachte und schreiten zur Tat! Ich habe mir für diesen Beitrag nun einfach mal einen Hase skizziert – ich liebe es die Figuren am Ende etwas verschnörkelt (bleistiftartig) darzustellen, aber das ist wie gesagt Geschmack. Auf jeden Fall benötigst du eine Vorlage und jetzt kommen von mir ein paar Vorschläge, wie du an solch eine gelangst.

Vorab möchte ich aber nochmals darauf aufmerksam machen, dass du bitte bitte die jeweiligen Lizenzrechte beachtest. Es ist total egal, wenn du privat eine Star Wars Figur nähmalst, aber wenn du das bei Facebook dann auf deiner Fanseite zeigen solltest, wird es schon wieder grauzonig und wenn du da dann sogar verkaufst, ist es mehr als grauzonig, da dir dafür die Lizenzrechte fehlen… nur als lieb gemeinter Hinweis und nun die logische Erklärung, warum ich diesen Hase schnell selbst gezeichnet habe (alldieweil mein Gedankengut)

Hier findest du tolle Applikationsvorlagen zum Nähmalen:

  • in deinem Kopf
  • Malbücher (Lizenzrechte beachten)
  • Pinterest (schau mal hier auf unsere Pinnwand –> aber auch hier bitte die entsprechenden Dateien erwerben und zur Sicherheit (falls Verkauf geplant) den Urheber nach entsprechenden Rechten fragen)
  • Plotterdateien (ja das geht auch prima, aber auch hier bitte die entsprechenden Dateien erwerben und zur Sicherheit (falls Verkauf geplant) den Urheber nach entsprechenden Rechten fragen)
  • direkt erstellte Nähmalvorlagen von lieben Bloggern und Nähtantchen 😉 entschuldigt, dass ich hier nicht alle aufzählen kann, aber da wären z. B. tolle Vorlagen von aefflynS to go, mit denen man Nähmalen kann oder auch den „Leinenbaumler“ von Amelie&Luise, genauso wie das zuckersüße Herbstmädchen von Missichen) Alle Vorlagen findet man leicht über Google und auch hier gilt es die Lizenzbestimmungen zu beachten und im Notfall kurz anzufragen.

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Weiter gehts: Sobald du dein Motiv ausgewählt oder gezeichnet hast, geht es ans Zerlegen. Hier ist es fast ein wenig, wie beim Puzzlen. Ich wollte den Hase in mehreren Farben arbeiten und habe dementsprechend die Teile voneinander gelöst.

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Nimm dir die Stoffe zur Hand, die du applizieren willst. In meinem Fall war das ein creme und ein rosa (Jersey). Bügel auf die Stoffrückseite das Bügelvlies auf.

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Achtung: Nun wird auf die Seite, auf der sich das Bügelvlies befindet das Motiv spiegelverkehrt aufgezeichnet. Nimm hier am besten den Trickmarker, denn so bleiben später Farbrückstände aus.

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Ich sammel mir dann immer alle Applikationsteile in einer Box. An der Rückseite befindet sich überall das Bügelvlies.

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Im nächsten Schritt lege ich mir mein Motiv so auf, wie es später auf dem Projekt zu sehen sein soll. Bin ich zufrieden, wird es festgebügelt. Hier greifen einige auch gerne zu Klebestift, um dem Motiv Halt zu verschaffen, ich bin jedoch überzeugt von Bügelvlies.

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Mit Trickmarker oder Bleistift skizziere ich nun Details vor, wie z.B. Gesicht, die Blume oder auch süße kleine Schleifen – das ist nun der wahre „Nähmalbereich“

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Spanne dein Motiv jetzt in den Stickrahmen ein, damit es zum einen straff ist und zum anderen erhälst du dadurch mehr Bewegungsfreiraum. Tipp von einer Leserin: Du machst es dir leichter, wenn du einfach zuerst den Teil des Rahmens mit der Schraube auf den Tisch, dann den Stoff (schöne Seite nach oben) auf den Rahmen legst und dann den Innenrahmen (ohne Schraube) darauf. Spanne das Ganze fest. Der Stoff liegt dann direkt auf der Maschine auf und hat nicht den Abstand von ca. 5mm, die der Rahmen wie sonst üblich mit sich bringt…

Die Leserin (danke an  Kathrin von Himmelgrau!!) hat uns hier mal ein Foto zur Verdeutlichung bereitgestellt.

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Ich empfehle dir außerdem ausreißbares Stickvlies unterzulegen (und ggf mit Stecknadeln zu fixieren), so vermeidest du, dass sich dein Motiv später verzieht. Auch wichtig zu wissen, damit du den Stickrahmen unter dem Nähfuß bekommst, musst du diesen komplett nach oben hebeln (oder hochfahren). Du dachtest immer, das geht nicht höher? Doch das geht, denn in der „Obenposition“ lässt sich der Nähfuß nochmals um eine Etage nach oben hebeln (bei unserer Pfaff klicke ich einfach 2x auf die Nähfuß-nach-oben-Taste).

Beginne nun am besten an einer Stelle, an der dich Abgrenzung des Rahmens nicht stört, ich arbeite mich meist von innen nach außen. Da du aber volle Bewegungsfreiheit hast, ist es im Prinzip dir überlassen, wie du dich vorwärts arbeitest und in welche Richtung. Es ist auch möglich vom Gesicht einfach zum Fuß zu springen und von dort aus weiter zu machen.

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Je öfter du über die Linien gehst, desto stärker werden die Konturen. So wie du den Stickrahmen bewegst, so nähst du auch. Mit dem Fuß steuerst du zudem natürlich wie schnell du irgendwo lang ratterst. Mir liegt es besser etwas schneller zu „fahren“. Die Fäden werden auch nicht verstochen, wenn du an anderer Stelle nähmalen willst, hebst du einfach den Nähfuß und gehst mit der Nadel an entsprechende Position und machst dort weiter – so vermeidest du häßliche Knubbel. Ich nutze sowohl Vorwärtsgang, wie auch den Rückwärtsgang meiner Maschine.

Damit ich diesen „Kritzeleffekt“ erhalte, gehe ich mehr als 4x über die Linien – ein Projekt kostet so natürlich etwas mehr Zeit. Du kannst natürlich deinen eigenen Stil kreieren: wild, verschnörkelt, geradlinig – alles ist machbar.

Wenn dein Motiv etwas größer ist (so wie bei mir) dann ist es unumgänglich, dass ab und an die Position des Stickrahmens verändert wird. Am Rand lässt es sich einfach nicht nähen, wenn der Nähfuß dann an den Rahmen gerät.

Wie du auf dem Foto erkennst, bringe ich auch kleine Details an, wie z. B. Schnüre oder Borten. Diese nähe ich jedoch per Hand an.

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Nachbereitung

Nach dem Nähmalen ist vor dem Zusammennähen. Bevor du dein Projekt vollenden kannst, indem du die Schnittmusterteile zusammen nähst, ist es notwendig, dass überstehende Fäden entfernt werden. Ich nehme dafür gerne eine gute schneidende Nagelschere. Zudem schneide ich überstehende Stoffränder neben dem Genähmalten einfach ab (aber vorsichtig, nicht dass du die Fäden mit zerschneidest). Auf der Rückseite werden ebenfalls überstehende lange Fäden abgeschniten und das Stickvlies abgerissen. Der Trickmarker kann unter Wasser einfach „weggelöscht“ werden.

Nach rund 5 h war mein Nähmalprojekt fertig 😉 Jetzt musste ich nur noch die Strampelhose zusammennähen und Knöpfe anbringen. Ich freue mich schon, wenn die Kleine da ist und das Höschen zum ersten Mal tragen kann <3

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